Sonntag, 8. Dezember 2013

Tag 14 - Wildwasser Rafting

Jetzt waren wir tatsächlich beim Rafting und es war ziemlich cool. Morgens um 8 gings los zum Büro von Swazitrails und dort mussten wir ein Formular ausfüllen, wo wir unterschrieben, dass Swazitrails für nichts haftbar gemacht werden kann und wo wir angeben sollten, wer benachrichtigt werden soll, falls uns was passiert. Damit hat man ja doch schon irgendwie ein flaues Gefühl im Magen.
vorne: die beiden Belgier, hinten ich, Jojo und Dustin
Außer uns war noch ein Paar aus Belgien dabei. Los ging es im klapprigen Bulli. Der hat beim Fahren einen Mordslärm gemacht und er hatte nichtmal Gurte. Der Himmel war lose und insgesamt war er wenig vertrauenserweckend. Früher oder später wird das Gefährt wohl den Geist aufgeben. Ich weiß ja nicht, wie das in Swaziland ist, mit etwas wie TÜV. Hier in Südafrika fährt man jährlich zum Nachsehen, aber wenn etwas nicht in Ordnung ist kann man trotzdem weiterfahren und wenn man nicht hinfährt fährt man eben nicht hin. Hier fährt also alles, was sich irgendwie fortbewegen kann.

Wir starten unsere Tour
Nach ca 45 Minuten Dirt Road (und vorher vernachlässigbar viel Autobahn) kamen wir dann am Great Usutu River (den findet man zwar mit Google nicht, aber er heißt tatsächlich so) an. Dort bekamen wir eine Einweisung, in der auf wirklich alle möglichen Gefährlichen Situationen eingegangen wurde. Danach war Jojo schon ziemlich fertig mit den Nerven und hatte gehörig Angst. Sie wollte unbedingt mit Dustin in ein Boot, weil sie nicht mit dem schwarzen Guide fahren wollte. Ich frage mich, ob sie in Afrika gut aufgehoben ist.
Im Endeffekt war der schwarze Guide Buggy alleine in einem Mini-Boot und ich bekam Cooper aus Californien. Der arbeitet rund um den Globus als Führer für solche Touren und war selbst erst einmal auf diesem Fluss. Mit ihm zu fahren ist echt gut, weil er mir immer sagt, was ich machen soll und auch erkärt, warum. Außerdem kann man mit ihm gut reden.


Cooper und ich im Boot
Vor der Tour wurde uns gesagt, wir würden komplett nass, was mich dazu veranlasst hat, die Jeans zu tragen statt der weißen Hose (ein Blick auf das Wasser rechtfertigt diese Entscheidung). Jojo besteht darauf, ihre Regenjacke zu tragen, auch wenn ihr alle sagen, dass das Unsinn ist und die ihr auch nicht viel helfen wird. 
Erste Abfahrt.
Erstmal ging es recht ruhig voran, dann kamen einige kleinere Stromschnellen und Cooper und ich sind immer als Sicherung vorneweg gefahren, um den anderen zu sagen wie sie sich anschließend verhalten sollten, damit wir alle zusammenbleiben. 

Bei der ersten, kleinen Abfahrt bin ich schon gehörig nass geworden - ich saß schließlich vorne, aber es hat echt Spaß gemacht.
Wir haben die Treppen mittig getroffen.
Wir konnten also beobachten, wie alle anderen herunterfuhren, haben uns anschließend gesammelt und sind weitergefahren. Danach ging es ein Wehr (oder so ähnlich) hinunter, wo man zwischen zwei Betonklötzen herfahren musste, die von Weitem erstmal kaum zusehen waren. Dann musste man die auch noch genau mittig treffen, weil links und rechts Treppen waren, die man von oben nicht sehen konnte.
Hier bin ich schon ziemlich nass (sieht man aber nicht)
Cooper und ich haben die Mitte getroffen, alle anderen nach uns haben scheinbar die Treppen genommen (das ist da, wo das Wasser so aufgewühlt ist). 

Da der Wasserstand gerade ziemlich hoch war, musste Cooper immer bei Buggy erfragen, wo er jetzt langfahren sollte. Wenn man nämlich den falschen Weg fährt kann es passieren, dass man in eine falsche Strömung gerät und dann plötzlich unter Bäumen gefangen ist, oder einen Wasserfall runter muss. Das wollten wir vermeiden.


Jojo hat keine Lust mehr
Der Fluss über den wir gekommen waren
Vor der nächsten schwierigen Stelle sind wir dann alle ausgestiegen und haben uns das angesehen und erklärt bekommen, wie wir zu fahren haben. Es war ein ziemliches Gefälle mit einem Loch am Ende. Wir sollten versuchen, links oder Rechts am Loch vorbeizufahren. An dieser Stelle hat Jojo gesagt, sie würde laufen - was hier ganz gut machbar war, weil das Ufer aus Steinen bestand. Also hat sie ihr Paddel genommen und ist damit am Fluss entlang weitergelaufen. Ich bin dann mit Dustin in ein Boot gestiegen und wir sind zusammen heruntergefahren. Leider hat das mit dem "Am Loch vorbeifahren" nicht so besonders gut geklappt. Das Boot ist umgekippt und wir waren unter Wasser. Dustin war scheinbar in dem Sog gefangen, ist aber wieder rausgekommen und etwas vor dem Boot im Wasser getrieben. Ich steckte noch mit den Füßen in den Fußschlaufen im Boot, weil ich etwas gebraucht habe, um zu bemerken, dass es umgekippt war. Ich hab mich dann befreit und den Fluss entlangtreiben lassen. Uns wurde anfangs irgendwas gesagt wie "nicht wieder zum Boot schwimmen, wenn keiner mehr drinsitzt" weil es wahrscheinlich an die gefährlichen Stellen getrieben wird, wo man nicht hin möchte. In diesem Fall schrie mir Cooper aber zu, ich solle zum Boot schwimmen. Hab ich dann auch gemacht und es an Land gezogen. Dort haben wir es wieder umgedreht und weiter gings. Cooper ist vorher übrigends auch aus seinem Boot gefallen, sodass wir jetzt tatsächlich komplett durchnässt waren. Einzig die Belgier haben es geschafft, drin sitzen zu bleiben.
Die Umgebung während unserer Pause

Landschaft während der Pause
Etwas weiter flussabwärts haben wir dann Mittagspause gemacht. Ich habe mit Jojo die Hälfte meines vegetarischen Brötchens gegen ihres mit Fleisch (sie wollte nicht das ganze vegetarische!!!) getauscht. Sie ist vegetarierin und ich fand das mit Hähchen ganz lecker.

Unsere Meinungen gingen auch über das Rafting selbst ziemlich auseinander von "Das ist das schlimmste, was ich je gemacht habe" (Jojo) über "I almost drowned, but the rest was fun" ("Ich bin fast ertrunken, aber der Rest war super" Dustin) bis hin zu "Das macht richtig Spaß und ich mache das auf jeden Fall wieder" (ich) war wohl alles vertreten.

Nach der Pause mussten wir zu Fuß weiter. Wir waren direkt vor einem Wasserfall und da konnten wir ja schlecht runterfahren. Also mussten wir unsere Boote über die Felsen hinuntertragen. Das war ziemlich anstrengend, da unser Boot noch mit zusätzlichem Gepäck in Form von Wasserflaschen, Boots-Reparaturzeugs, Erste-Hilfe-Kit und sonstigem bestückt war.
Wir tragen die Boote den Wasserfall hinunter
Der Wasserfall
Beim Abstieg machen wir eine Pause, um den Wasserfall anzusehen. Dustin, Buggy und ich gehen auf den vordersten Vorsprung und gucken ihn uns an. Dummerweise lebt hier eine sehr agressive Ameisenkolonie und wir machen uns nach den ersten Bissen wieder aus dem Staub.

Vogelnester
Bei der weiterfahrt entdeckt Buggy ein Krokodil. Wir sind allerdings schon dran vorbei, als er uns drauf aufmerksam macht. Dustin hat mir anschließend erzählt, dass er direkt nach unserem Sturz aus dem Boot auch eins gesehen hat. Allerdings sind Krokodile wohl nicht SO schlimm. Viel gemeiner sind Hippos (Nilpferd?) weil die ihr Revier verteidigen. Die tauchen unter, tauchen direkt unter einem wieder auf und zermalmen einen einfach - so habe ich das jedenfalls verstanden.

Wir begegnen aber sonst nur Kühen, die am Ufer grasen, Menschen die durch den Fluss auf die andere Seite waten (eine Brücke gibt es scheinbar nirgends) und Vögeln. Besonders cool sind die hübschen gelben Vögel, die diese hängenden Vogelnester bauen. Ich weiß leider nicht, wie die heißen. Google erzählt mir was von Webervögeln, aber ich weiß nicht genau, welche. Auf jeden Fall sind sie hübsch.

Der zweite Wasserfall
Als nächstes fahren wir über kleine Stromschnellen, die sich aber länger hinziehen und deshalb ziemlich viel Spaß machen. Dann fahren wir einen Umweg, weil wir einen Wasserfall umgehen wollen.
Dafür müssen wir uns durch das Unterholz und Gestrüpp an den Seitenarmen des Flusses schlagen. Jojo findet das wenig lustig, weil dadurch Spinnen in ihrem Boot landen. Das widerum findet Dustin nicht so gut, weil sie deshalb vergisst, weiter zu paddeln. Am Ende des Umwegs kommen wir an eine ganz enge Stelle, an der die Boote alle stecken bleiben. Man muss etwas schaukeln, um weiter zu kommen. Bei dieser Aktion gerät Jojos Hand zwischen Boot und Felsen und blutet ziemlich tüchtig. Daraufhin müssen Buggy und Cooper sie verarzten, aber irgendwie gibt das 1. Hilfe-Set nicht so wirklich was her. Verbinden ist ja auch schwierig, weil die Hand früher oder später wieder nass wird. Also fährt Jojo mit leicht gesäuberter Wunde in Coopers Boot weiter und ich fahre mit Dustin. Dafür müssen wir zwar erstmal ein paar Felsen runterklettern, aber hier können wir die Boote die meiste Zeit einfach herunterschieben. Das ist besser, als sie zu tragen.

Der Klapperbulli
Ausblick vom Ende der Tour
Auf dem weiteren Weg kommen wir an keine größeren Stromschnellen mehr (vielleicht umfahren wir sie auch einfach, das weiß ich nicht). Am Auto angekommen, wird Jojo erneut verarztet, aber wieder ohne Verband, weil es relativ wenig blutet, und ich helfe ihr, trockene Sachen anzuziehen. Auf der Fahrt rufen wir Kate an und überzeugen Jojo ins Krankenhaus zu fahren, weil sie ihre Hand kaum bewegen kann. Sie hat Angst vor dem afrikanischen Krankenhaus - und das kann ich sogar verstehen. Mir wäre da auch nicht so wohl bei.
Kurz nachdem wir aufgebrochen sind, zickt das Auto rum: Das Getriebe greift nicht mehr. Nach einigen Minuten schafft der Fahrer es, irgendeinen Gang rein zu bekommen und wir schaffen es bis auf die Landstraße. Beim nächsten Abbiegen in der Nähe von Manzini passiert es wieder und dieses mal können Buggy und der Fahrer das Auto nur noch an den Straßenrand schieben. Nichts geht mehr. Die Zentrale will uns ein Ersatzauto schicken und als wir Kate anrufen, fährt sie spontan los, um uns an Ort und Stelle einzusammeln.
Sie trifft nur ein paar Minuten nach dem Ersatzbulli (der deutlich neuer, vertrauenserweckender und sauberer ist) ein und wir fahren in eine Privatklinik bei Mbabane. Jojo wird geröngt und verbunden. Der Arzt ist wirklich freundlich, aber die Krankenschwester ist kaum in der Lage, ein Pflaster anzulegen. Auf dem Röntgenbild sieht man, dass die Spitze von Jojos Mittelfinger gebrochen ist. Sie soll am nächsten morgen wiederkommen, um eine Schiene anlegen zu lassen. Die hat der Arzt dummerweise gerade nicht da, also muss sie die Nacht so überstehen.

Auf der Fahrt zu Kate holen wir Take Away bei Kentucky Fried Chicken. Mir wird immer ein Rätsel bleiben, warum sich Jojo dafür entschieden hat anstatt für den Chinesen. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass KFC eher weniger Vegetarische Gerichte anbietet und ich hatte Recht. Es gab eigentlich nichts.

Anschließend habe ich noch festgestellt, dass ich einen ganz enormen Sonnenbrand auf den Beinen bekommen habe. Dabei hatte ich mich eingecremt - und zwar bevor ich von der langen in die kurze Hose gewechselt bin... Ich hatte also vergessen, die Beine zu cremen. Jetzt seht ihr also wie stark die Sonne trotz starker Bewölkung in Swazliand noch ist. Es sieht aus, als hätte ich rote Socken an.
Mein Sonnenbrand

Am nächsten Morgen mussten wir ziemlich früh raus, um um 8 Uhr den Bus zu nehmen. Dieses mal sind deutlich mehr Leute unterwegs. Wir haben einen Bus für 18 Leute und ich sitze NUR neben Dustin, sodass ich keine Angst haben muss, dass jemand Fremdes auf mir liegt. Das ist deutlich angenehmer. Jetzt höre ich "Ich bin dann mal weg" und ich traue mich sogar, an der Grenze ein vorsichtiges Foto zu machen. Es ist zwar nicht besonders representativ, aber ich hatte echt Angst, die Kamera mit in die Grenzkontrolle zu nehmen, also hab ich mir das verkniffen.

Am Grenzübergang

Willkommen in Südafrika
In Südafrika war es unglaublich nebelig und Dustin ist neben mir eingeschlafen.
Wir wurden von Janet und Julia im Shoppingcenter Sandton city abgeholt. Das Stück, was wir vom Bus zum Einkaufszentrum gegangen sind waren die ersten Meter, die ich in Südafrika tatsächlich zu Fuß auf einer öffentlichen Straße zurückgelegt habe um von A nach B zu kommen.

Auf der Rückfahrt haben wir bemerkt, dass die Leute an der Grenze einen Fehler gemacht haben. Dustin hat leider nur ein Visum über einen Monat bekommen, obwohl ihm 90 Tage zugestanden hätten. Er fährt aber erst Ende Januar zurück nach Holland, sodass er jetzt entweder versuchen muss, ein neues Visum zu bekommen (zu teuer und dauert zu lange) oder nochmal ausreisen muss (ist auch teuer, aber wenigstens hat er was davon) oder er bleibt einfach illegal im Land und muss eine Strafe bezahlen wenn er das nächste mal einreist (ist die billigste Variante). Mal sehn, was er macht. Ist jedenfalls ganz schön ärgerlich, weil er ja extra wegen des Visums rausgefahren ist.
Ich habe übrigens keine Verlängerung bekommen. Die gibt es nur, wenn das erste Visum schon abgelaufen ist.

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