wie bereits angekündigt war ich am letzten Wochenende von Freitag bis Dienstag mit Dustin in Swaziland. Damit ihr überhaupt wisst was das so los ist gibt es jetzt erstmal ein paar Infos:
Das Königreich Swaziland liegt etwas südlich vom Krüger-Nationalpark, also im Nordosten von Südafrika. Es grenzt auch zu allen Seiten außer Osten an Südafrika. Östlich liegt Mosambik. Mit einer Fläche von 17000 km² ist die Größe von Swaziland etwa vergleichbar mit Thüringen oder Sachsen. mit einer Einwohnerdichte von 67 Einwohner / km² ist die Besiedelung etwa halb so dicht wie durchschnittlich in Deutschland.
Swaziland liegt im Gebirge und es hat auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit den schottischen Highlands: es hängen nämlich auch den halben Tag Wolken drüber. Bei näherer Betrachtung ist es aber wärmer (wir hatten 22-35 °C) und es regnet nicht ständig, dafür aber fast täglich mit kräftigen Gewittern. Die Gewitter haben es auch echt in sich. Was da an Regenmassen runterkommt kennt man selbst in Münster nicht. Außerdem ist die Vegetation hier etwas unterschiedlich und (abgesehen mal vom Monster von Loch Ness) sind hier die Tiere auch etwas größer und (zum Teil) gefährlicher.
Wie schon erwähnt ist Swaziland ein Königreich. Die Staatsform ist hier tatsächlich noch eine absolute Monarchie (laut Wikipedia eine von fünf existierenden - den Papst im Vatikan mitgezählt). Es gibt zwar ein gewähltes Parlament, aber der König kann zu allem seinen Senf dazugeben und ihm widerspricht niemand. Er lässt gerade für mehrere Millionen Rand (bzw das Swazi-Pendant dazu, aber Rand wird hier überall akzeptiert, weil die Währungen eh aneinander gekoppelt sind) seinen Palast akzeptieren und möchte jetzt im Norden des Landes einen neuen Flughafen bauen (den keiner braucht) weil auf seinem bisherigen keine Boeings landen können - die Landebahn ist zu kurz. Bei 3 ankommenden Flugzeugen (maximal) pro Tag wäre es aber wirtschaftlicher, die Landebahnen einfach zu verlängern - der Platz wäre gegeben (habe ich mir sagen lassen). Der König ist in England zur Schule gegangen und man sollte glauben, er hätte dort etwas Verstand bekommen, macht aber irgendwie nicht den Anschein. Vielleicht ist ihm zu Kopf gestiegen, dass er schon mit 18 König geworden ist.
Hier ist außerdem die Polygamie erlaubt. König Mswati III hat im Moment 17 (wenn ich mich recht erinnere, Wikipedia behauptet 15) Frauen und eine Verlobte. Sein Vater hatte sogar 70 Frauen und insgesamt 210 Kinder von denen 180 über das Kindesalter hinauskamen. Zu seinem Tod hatte er über 1000 Enkel.
Die Kluft zwischen armen und reichen Menschen ist hier enorm. Das ganze Land ist sehr heruntergekommen und die Menschen wohnen in Slums. Nach den wenigen Reichen muss man tatsächlich ziemlich suchen. Dazu kommt noch dass Swaziland den größten prozentualen Anteil der HIV-Infizierten auf der ganzen Welt hat.
Allerdings ist hier die Kriminalität ziemlich niedrig. Hier kann man als Europäer/in tatsächlich relativ sicher auf die Straße gehen. Grund dafür sind sicher die hohen Strafen, die es für straftaten gibt. Mir hat ein Swazi-Junge gesagt "Swazis don't steal" und ich glaube ihm.
Am Freitag sind Dustin und ich mit dem "Bus" nach Mbabane, der Hauptstadt, gefahren. Der Bus war ein Bulli mit 8 Sitzplätzen (incl. Fahrer) und es waren 6 Plätze gebucht. Für jeden gab es ein Fresspaket mit Wasser, einem anderen Getränk, einem Sandwich und einem Snack, die man vorher auswählen konnte.
In Jo'burg ging es um 9 Uhr in Sandton los und wir kamen mit etwa einer Stunde Verspätung - nein, nicht in Swaziland, sondern am OR Tambo, dem internationalen Flughafen in Jo'burg an. Auf den Straßen war nur Stop'n'go möglich, wenn überhaupt. Ich persönlich würde es als fiesen Berufsverkehr-Stau bezeichnen. Eigentlich hätten wir diese Strecke binnen einer halben Stunde schaffen müssen. Hat aber nicht geklappt.
Danach ging es besser und ich habe auch mal was anderes von Südafrika gesehen. Allerdings hab ich mich ziemlich erschreckt, als wir durch die erste "kleine Stadt" gefahren sind. Da sieht es echt so aus wie man es sich für Afrika vorstellt - also wirklich dritte Welt - und ich hätte mich tatsächlich nicht getraut, dort auszusteigen.
An der Grenze musste ich auch ziemlich schlucken. Nicht nur, dass ich Grenzen ja gar nicht gewohnt bin - wir mussten aussteigen und unsere Pässe beim Busfahrer abgeben. Er ist dann mit uns zur ersten Kontrolle - raus aus SA - gegangen, hat gesammelt alle Pässe vorgelegt und uns dann weitergeschickt.
Ein Mädchen aus Norwegen hatte ihr Visum um einen Tag überzogen, weil sie mit Verspätung in Jo'burg eingetroffen war und muss bei der nächsten Einreise nach SA 1000 Rand (100 €) Strafe bezahlen (vielleicht war es auch mehr.) - und das für einen einzigen Tag!!!
Dann ging es weiter in das nächste Haus. Dort wurden wir für die Einreise erneut kontrolliert. Alles in allem ist das echt ne bedrückende Atmosphäre da und ich bin echt froh, mit dem Bus gefahren zu sein, denn der Fahrer scheint dort irgendwelche Sonderrechte zu genießen, die es ihm erlauben, uns schneller durchzubringen.
Nach Mbabane waren es dann nur noch ca 30 Minuten Fahrt. Ich saß die ganze Zeit über auf dem mittleren Sitz und der Mann links neben mir hat die ganze Zeit durch die Mitte nach vorne rausgeschaut und deshalb halb auf mir gelegen. Das hat ziemlich genervt und ich hatte anschließend Rückenschmerzen. Dafür hab ich aber jetzt das Känguruh-Manifest komplett gehört.
In Mbabane sollten wir von Lolo abgeholt werden, aber die hatte uns wohl vergessen und wir mussten einen ganze Zeit warten. Sie hat uns zur Firma von Kate (unsere Gastgeberin) und Anita (ihre "Nachbarin") gefahren und Anita hat uns nach ihrem Feierabend mit nach Hause genommen. Kate war gerade in SA und hat Anitas Sohn aus dem Internat mitgebracht. Hier ist ja grad Sommerferienbeginn.
Fast wäre unsere Fahrt aber aufs Polizeirevier gegangen statt zu Anita. Sie hat nämlich im Auto mit dem Handy telefoniert und aus irgendeinem Grund können die Polizisten einem nicht einfach einen Strafzettel schreiben und damit ist es gut. Nein, man muss mitkommen aufs Revier. Anita hat ihn dann bequatscht, dass sie weiterfahren durfte, weil sie ja Besuch dabei hatte.
Die Kinder der wohlhabenden Leute in Swaziland (ich nenne sie bewusst nicht Swazis) gehen maximal bis zum Ende der Grundschule im Land zur Schule und danach nach SA aufs Internat, weil sie nur so die Chance haben, anschließend zu studieren.
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| Ausblick von Anitas Terrasse |
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| Der Execution Rock |
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| Der Krokodilfluss hinter Anitas Haus |
Da sich Kate verspätet hat (an der Grenze war es wohl total überfüllt), haben wir eine ganze Zeit bei Anita und Allan verbracht. Anita hat gekocht und Allan hat zusätzlich noch Pizza von einer total coolen urigen Pizzaria geholt. Dort sind wir mit dem Geländewagen hingefahren, weil hier fast alles nur über Dirt Roads zu erreichen ist. Mit dem Alkohol nimmt man es wohl auch nicht so genau. Allan hatte schon zwei Bier intus und auf dem Rückweg auch noch einen Whiskey. Das Fahren im Geländewagen hat aber richtig Spaß gemacht und die Pizza war super.
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| Ausblick von Anitas Gartenhütte |
Als Kate ankam gab es dann für alle Butter-Curry-Chicken mit Reis und Fladenbrot und 2 Pizzen zur Auswahl. Ich habe lange nicht mehr so gut gegessen.
Kate hatte ihren kleinen Sohn Lennart und ihre deutsche Voltigiertrainerin Johara dabei. Dustin und ich haben sie einfach Jojo genannt. Johara war zu lang. Bei Kate zuhause sind wir alle todmüde ins Bett gefallen. Es war nämlich mittlerweile ziemlich spät und wir hatten verabredet am Samstag zum Wildwasser-Rafting zu gehen.
Kate betreibt ein Gestüt im Ezulwini-Valley und will dort mit Jojos Hilfe eine Voltigiergruppe gründen. Sie haben allerdings noch kein Pferd. Das Gestüt liegt mitten im Nationalpark und man kommt wieder nur über Dirt Roads dort hin. Morgens grasen hier auf den Feldern Zebras, Springboks, Blesboks, ein einzelnes Wilderbeest und Warzenschweine. Wenn man nicht aufpasst stehlen einem die Affen das Essen aus der Küche, in welcher widerum ab und an Eidechsen rumlaufen, die durch das Grasdach reinkommen. Im Prinzip ist das hier also so ne Mini-Safari ohne die gefährlichen Tiere.
(hier stelle ich noch Fotos der Wilden Tiere rein, sobald ich die von Dustin habe)
Morgens wurden wir davon geweckt, dass der Weihnachtsbaum angeschlossen wurde, der Weihnachtslieder spielte. Absolut grässlich. Lennart hat uns dann geweckt, um uns allen Reihum das Monstrum zu zeigen. Der Junge ist echt schlimm. So ein verwöhntes Kind habe ich selten gesehen. Aber er kann sich ja auch alles erlauben. Wenn er was zu Essen will, sagt er zu einem der Angestellten, dass er was zu Essen will und er bekommt es. Wenn er seine Sachen nicht wegräumt, dann tut das eben ein Angestellter für ihn. Und wenn er was von Kate will, stellt er sich irgendwo ins Haus und ruft "Mum" bis sie kommt.
Ich bin mit ihm zum Stall gegangen und er hat mir sein Pony gezeigt. Auf die Frage, wo mein Pferd sei habe ich geantwortet, dass ich keins habe. Das hat er wohl nicht verstanden und hat mich wieder und wieder gefragt. Scheinbar ist es für ihn absolut undenkbar, dass irgendwer kein Pferd hat.
Der Stall ist echt cool. Hier sind die Ställe ja nie ganz geschlossen und die Pferde haben immer Tageslicht. Diese Ställe sind aus Baumstämmen gemacht, die nebeneinander hingestellt und auf die passende Länge gesägt wurden. Sieht super gut aus. Leider habe ich vergessen, ein Foto zu machen.
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| Die Straße zu Kates Haus |
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| Der afrikanische Markt mit Gebirgspanorama |
Leider gab es an den Ständen kaum unterschiedliche Sachen und es gab auch noch so viel was ich gerne noch hätte. Es gab ganz viel schönen Schmuck und Holzfiguren, Schalen und Salatbesteck.
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| Der Swazi-Tanz |
Anschließend gab es noch eine Führung durch ein ursprüngliches Swazi-Dorf. Dort herrscht eine strenge Hierarchie, in der die Frau dem Mann dient - nicht so mein Fall. Abgesehen davon gibts da noch andere seltsame Bräuche, aber die hat wohl jede Kultur.
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| Eine Swazi-Hütte |
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| Der Execution Mountain |
Danach sind wir zum Wasserfall gegangen, der in den Fluss mit dem Krokodil führt, der vor Anitas Haus fließt. Derjenige, der die Führung durch das Swazidorf gemacht hat ist mitgekommen und hat die Touristen auf den richtigen Weg geführt. Alle anderen sind irgendwo unterwegs stehen geblieben, um Fotos vom Wasserfall zu machen. Uns hat das zu lange gedauert und wir sind allein (also zu dritt) weitergegangen und dachten uns, die kämen schon hinterher. Kamen sie aber nicht. Keine Ahnung, warum.
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| Jojo und Dustin auf dem Weg zum Wasserfall |
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| Der Wasserfall von Weitem |
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| Dustin und ich auf dem Weg zum Wasserfall |
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| Unterwegs durchs Unterholz (der Weg war ausgeschildert) |
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| Der Wasserfall |
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| Ausblick auf den Execution Rock |
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| Suchbild: wo ist das Tier? Und was für eins? |
Janet hat mir gesagt, dass ich beruhigt überall schwimmen kann, wo das Wasser bewegt ist, weil sich da normalerweise keine Krokodile aufhalten oder man sie vorher sähe. Insofern hatte ich kein zu schlechtes Gefühl dabei. Dustin wollte zwar unbedingt rüber, hat sich aber nicht so wirklich getraut und Jojo hatte Angst ohne Ende. Im Endeffekt sind sie beide geschwommen und es hat gut geklappt. Also sind wir auf der anderen Seite weitergeklettert.
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| Die Vegetation ringsum |
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| Ich vor dem Wasserfall |
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| Dustin und ich vor dem Wasserfall |
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| Ich direkt am Wasserfall |
Auf dem Rückweg hat Jojo einen Anruf von Kate bekommen, dass sie neuen Strom einkaufen solle. In Swaziland gibt es nämlich nur ein Prepaid-Strom-System. Man muss also immer drauf achten, wann der Strom fast aufgebraucht ist und dann ein neues Paket kaufen. Als wir wieder beim Auto ankamen sah es auch ganz gewaltig nach Gewitter aus und wir sind schnell noch zum Supermarkt gefahren, um Strom zu kaufen. Im Supermarkt wurde uns allerdings gesagt, dass sie das nicht mehr machen und wir wurden zur Tankstelle weitergeschickt. Als wir dort ankamen war gerade Stromausfall. Das kommt in Swaziland wohl ständig vor. Dementsprechend hat das Strom kaufen ganz schön lange gedauert. Dafür musste erst ein Gerät gestartet werden, wo dann die Anschlussnummer drin eingegeben wird und dann bekommt man seinen Code für seinen Strom. Das Gerät startete aber nicht. Auch nicht nach dem zweiten Stromausfall. Dann bekamen wir einen Anruf von Kate, dass wir in dem Regen - und es hat wirklich enorm geregnet - bloß nicht mit dem Auto fahren sollten. Wir hatten also Zeit. Als der Regen fast vorbei war, ging dann auch das Gerät wieder. Wir waren zum Glück mit dem Geländewagen unterwegs, sodass wir es tatsächlich geschafft haben, ohne stecken zu bleiben die Dirt Road zu bewältigen. Die Straße war quasi nicht mehr da, bzw halb weggeschwommen.
Abends haben wir dann versucht, einen Film zu gucken, aber wir sind alle vor dem Fernseher eingeschlafen und haben dann beschlossen, ins Bett zu gehen.
Am Sonntag kamen dann Jojos Voltigierer - alle männlich und alle schwarz. Von den 10 Voltigierern waren aber nur 5 da und einer, der keine passende Kleidung dabei hatte. Die Jungs sind echt schwer zu motivieren und was wir mit denen an Krafttraining gemacht haben hätten die Mädels aus meiner Mannschaft zuhause - und zwar alle - besser hinbekommen.
Zwei von den Jungs waren blutige Anfänger, die anderen waren schon länger dabei und einer davon mega talentiert. Jojo würde ihn ja gerne zu den Weltreiterspielen schicken, dummerweise haben sie kein Pferd zum trainieren und er müsste vorher auf CVIs gestartet sein.
Nach der Mittagspause war dann einer der Jungs nach Hause gegangen und der mit der falschen Kleidung hatte sich was anderes anzuziehen besorgt. Leider ging bei seiner Hose der Reißverschluss nicht zu, sodass die Hose total weit offen stand. Dustin und Jojo haben sich dann auf deutsch (Dustin hat mit uns nur deutsch gesprochen, damit er es besser lernt) darüber lustig gemacht. Überhaupt hat Dustin ständig die Voltigierer auf Deutsch angesprochen und sich dann gewundert, dass sie nicht reagiert haben. Und dann hat plötzlich doch einer reagiert und ihm gesagt, dass er ein bisschen was versteht, weil er Afrikaans kann. Das würde ich jetzt mal als Fettnäpfchen bezeichnen.
Abends wollten wir ja noch auf den Berg steigen. Als um 15 Uhr unser Training vorbei war, haben wir also bei Anita angerufen und wollten wissen, ob ihr Sohn mitkäme. Sie hat uns darauf hingesagt, dass es schon zu spät sei und wir es nicht vor Anbruch der Dunkelheit hin und zuück schaffen würden. Warum hat sie uns dann gesagt, wir würden das Sonntag abend machen? Wann fängt bei ihr denn "abend" an? um 12? Wir waren jedenfalls ziemlich enttäuscht und sind stattdessen zu den heißen Quellen gefahren. Die heißen Quellen sind aber leider keine Naturpools mehr, sondern das Wasser wird in einen richtigen Pool eingeleitet. Dafür ist es so zwischen 30 und40 Grad warm (geschätzt) und super entspannend. Anschließend wollten wir noch zu einem anderen Wasserfall fahren. Am Parkplatz gab es aber keine Beschilderung mehr und wir mussten im Restaurant fragen. Dort wurde uns gesagt, dass es 45 Minuten Fußweg zum Wasserfall seien und es unmöglich vor Einbruch der Dunkelheit zu schaffen sei. Es war nämlich schon 5 und um 6 wird es dunkel. Also haben wir noch den Geocache gesucht, der hier lag und uns überhaupt erst auf die Idee mit dem Wasserfall gebracht hat, und sind dann zu Kate zurückgefahren. Abends haben wir dann noch Pizza bestellt und sind früh ins Bett gegangen.
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| Kates Hauspfau |
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| Ein Affe an der Straßenseite |
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| Rush Hour in Swaziland |
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| Kates Haus |
























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