Samstag, 18. Januar 2014

Tag 60 - ich weiß keinen Titel...

Hier ist in letzter Zeit nicht viel passiert, aber ich schreibe jetzt trotzdem mal was. Ich weiß - das sind die Besten: Die Leute, die eigentlich nichts zu erzählen haben, es aber trotzdem tun.

Was habe ich in letzter Zeit so gemacht? Nicht viel eigentlich. Ich hatte bisher nur 3 Unterrichtsstunden seit ich wieder da bin und ansonsten werde ich als Babysitter und Chauffeur für Cassidy eingesetzt. Das bedeutet, dass ich immerhin Auto fahren darf und ein bisschen auf eigene Faust rauskomme.
schöner orangener Vogel

Ich im Park
 Letzten Sonntag wollte ich mit Cass zu dem Mini-Antilopen-Reserve hier in der Nähe. Da hing ein Schild, dass es erst ab Januar wieder geöffnet sei, weil sie so viele Jungtiere hätten. Letzten Sonntag war schon Januar und es war leider immernoch geschlossen, also sind wir zu einem anderen Reserve in Lonehill gefahren. Das war allerdings total schlecht ausgeschildert und wir sind erstmal ziemlich herumgeirrt, bis wir den Eingang gefunden haben.

Vor dem Eingang war ein schöner Park, wo wir etwas rumgesessen haben. Wir haben dort einen wunderschönen orangenen Vogel
Auf der Brücke im Park
 gesehen. Die Vögel hier sind sowieso total schön. Auch die Hadedas (jetzt weiß ich, wie man die richtig schreibt und dass sie auf deutsch Ibis heißen), die ziemlichen Krach machen.

Im Park selbst gab es dann dummerweise keine Antilopen, sondern nur Pelztiere. Ich tippe auf sehr große Dassies. Dassies kannte ich bisher nur in Kaninchengröße. Diese hier waren etwas größer als ein fetter Cocker Spaniel.

Der Berg im Reservat
Ansonsten habe ich hier im Moment nicht so viel zu tun und gehe jeden Tag schwimmen und liege im Schatten am Pool. Es ist nämlich ziemlich heiß geworden und es gibt kaum noch Regen oder gar Gewitter zur Abkühlung. Nachts ist es mittlerweile so heiß, dass ich kaum noch schlafen kann.

Tier-Suchbild
Mittlerweile fahre ich hier relativ sicher Auto und kenne mich auch ganz gut aus, sodass ich (wie schon erwähnt) überall selbst hinfahren kann und Cassidy zum Reiten oder zu Freunden bringe. Neulich wäre ich fast an einer baulich getrennten Straße auf die rechte Spur gefahren, aber ich hab zum Glück noch rechtzeitig bemerkt, dass das irgendwie falsch ist und auf der Straße eine Vollbremsung hingelegt um mich richtig einzuordnen.

Ansonsten ist es hier alles recht chaotisch. Hier fahren diese "Taxis" rum, die eher wie Busse funktionieren, wo aber nur Schwarze mitfahren. Die sind saugefährlich, weil die immer von allen Seiten angeschossen kommen, wie es ihnen gerade passt und auch sonst überall fahren, wo sie gerade wollen.

Vogel
Bei dem Wetter im Moment bin ich übrigens nicht die einzige, die faul rumhängt. Cassidy geht ja nicht zur Schule, sondern wird von Debbie unterrichtet und die haben bisher noch nicht das neue Schuljahr angefangen, obwohl es ganz dringend mal Zeit würde. Und gestern waren wir bei Carol und Cass' Reitstunde ist ausgefallen, also haben wir mit Carols drei jüngeren Kindern und Bongani drei Stunden am Pool gechillt, bis ich los musste zu meiner eigenen Volti-Stunde. Dafür hat Bongani zwei seiner Kunden abgesagt mit der Ausrede, er hätte einen Platten.

Von ihm habe ich übrigens gelernt, dass auch Schwarze in der Sonne dunkler werden. Deshalb sitzt er auch bei jeder Unterrichtsstunde und am Pool im Schatten.


noch ein Tier-Suchbild

Ich im Pool















Jetzt will ich euch noch ein paar Sachen über Südafrika näherbringen:

Angestellte: Hier ist jeder total erstaunt, wenn ich erzähle, dass es in Deutschland eine Seltenheit ist, dass jemand einen Pool oder Hausangestellte (und wenn dann nicht mehr als EINE Putzkraft) hat. Debbie meint, sie könne so nicht leben. Ohne ihre Angestellte (die fünf Tage die Woche den ganzen Tag über hier ist) käme sie nicht zurecht - und sie arbeitet nicht, außer dass sie ihr Kind unterrichtet.

Pools: Für die Kinder ist es immer total unvorstellbar, dass jemand keinen Pool hat (Mama und Papa: Ich habe euch schon immer gesagt, dass wir ganz dringend einen Pool gebräucht hätten! Was fällt euch ein, eure Kinder ohne Pool aufwachsen zu lassen???) und dass man zum Schwimmen ins Schwimmbad fahren muss!!!

Technik: Hier hat auch jeder ein Smartphone und einen Tablet-PC und einen Laptop - und das trägt nicht dazu bei, meine Abneigung gegen Smartphones zu verringern. Ganz im Gegenteil. Hier ist es total üblich, dass jeder auf seinem Handy/Tablet herumtippt, wenn er mit Freunden unterwegs ist. Statt normaler Konversation zeigen sich hier alle Leute - und damit meine ich alle Altersgruppen unter 60 - ihre Fotos oder Youtube-Videos auf ihren Geräten! Das ist doch KRANK!!! Ich bin jedenfalls sehr dankbar, dass das in Deutschland noch nicht ganz so schlimm ist. Ich habe eh das Gefühl, dass die Leute in den englischsprachigen Ländern sehr medienorientiert sind. Hier hat auch jeder dieses teure Fernsehen mit über 300 Kanälen, von denen nur 5 benutzt werden. Was ganz cool ist, ist Box Office: Das ist eine Art Programm, das einem immer Filme zur Verfügung stellt und wenn man die guckt, bezahlt man eine geringe Summe dafür. Ein Film bleibt immer ca 1-2 Wochen "online" und sie werden eigentlich ständig ausgetauscht.

Lebensmittel: Der Trend hier geht total zu "functional food". Es gibt ganz viele Sachen mit Vitaminzusätzen und "xxx-free" - also ohne alles, was irgendwie böse sein könnte oder extra proteinhaltige Nahrung. Jeder Haushalt in dem ich bisher war hat "Herba life" Nahrungsergänzungsmittel irgendwo rumstehen - also irgendwelche Proteinshakes oder extra spezial tolle Frühstücksflocken. Das extremste sind die Nahrungsergänzungstabletten bei Janet. Zum Frühstück gibt es Protein Shake und Tabletten - ist das die Ernährung der Zukunft?
Und dann achten alle total auf die Haltbarkeitsdaten. Gestern wollte Cassidy eine neue Milch anbrechen, weil die alte genau gestern ablief. Meine Erklärung, dass die Milch nicht an dem Tag automatisch schlecht wird wollte sie nicht hören. Ich habe die Milch getrunken. Sie war noch gut.

Bottle Stores: Hier wird Alkohol nicht im Supermarkt verkauft, sondern nur in dafür lizenzierten Geschäften, also Bottle Stores und lizenzierten Bars. In Bars ohne Lizenz darf man sogar seinen eigenen Alkohol mitbringen. Der Verzehr von Alkohol ist ab 18 Jahren erlaubt (egal was) und auf der Straße nicht gerne gesehen, aber auch nicht verboten. Mit dem Fahren nehmen die es auch nicht so genau. Ich hab hier ernsthaft schon Leute erlebt, die mit Bier in der Hand Auto fahren. Auch wenn EIN Bier vielleicht nicht so schlimm ist - das täte in Deutschland doch niemand.

Sicherheit: Man gewöhnt sich daran, immer im verriegelten Auto mit hochgefahrenen Scheiben zu fahren und auch Gitter vor den Fenstern sind nicht ganz so schlimm, wie es sich anhört. Trotzdem vermisse ich es, rausgehen zu können, wann und wie ich es will. Das war an der Küste viel angenehmer.

Arbeitslosigkeit: Die ist hier enorm hoch und Arbeitgeber sind angehalten UNABHÄNGIG von der Qualifikation bei der Jobvergabe schwarze Frauen bevorzugt zu behandeln, schwarze Männer mit 2. Priorität, dann weiße Frauen und dann weiße Männer. Wenn man also jemanden einstellen will, der nicht bevorzugt ist, dann muss man nachweisen, dass niemand anderes dafür qualifiziert ist. Einen Deutschen einzustellen könnte man zum Beispiel begründen mit: Wir brauchten ganz ganz dringend jemanden, der Deutsch spricht und unsere Korrespondenz übernimmt (mir hat mal jemand erzählt, dass das so gehandhabt wird).

Arbeitsbeschaffung: Hier gibt es Jobs für alles!!! Wenn man in einen Security-Bereich einfährt, stehen dort Tag und Nacht Leute, die von Hand Schranken öffnen und schließen oder sogar nur danebenstehen und gucken, dass man die automatischen Schranken richtig bedient und keiner ungesehen rein oder raus sparziert. Dann wird hier der Müll nicht getrennt, weil das Leute übernehmen, die einen Job brauchen. An jedem Parkplatz stehen Leute, die einen in Parklücken und wieder heraus winken, die auf die Autos aufpassen, einem Regenschirme halten oder Einkaufswagen zurückbringen und dafür ein Trinkgeld bekommen (2-5 Rand - also fast nichts!). Beim Tanken steigt man nicht aus, sondern sagt dem Tankwart, wie viel man tanken möchte und ob man gleichzeitig auch die Scheiben geputzt haben möchte. Im Supermarkt arbeiten Leute, die einem das Obst wiegen, oder die Einkäufe in Tüten packen.
Und dann gibt es noch die Leute, die an der Straße was verkaufen. An jeder großen Kreuzung trifft man irgendwelche Leute, die zwischen den Autos stehen und einem irgendwas andrehen wollen. 

Umweltbewusstsein: Man bekommt überall und für alles Tüten. In den Lebensmittelmärkten muss man die mittlerweile immerhin bezahlen, aber überall sonst muss man sich gegen die Plastiktüten echt wehren - und das sind meistens nur so ganz dünne, die man nichtmal wiederverwenden kann. Die Weißen scheinen das einigermaßen zu handhaben, aber in an den Straßenrändern, wo die arme schwarze Bevölkerung entlanggeht, ist es teilweise echt enorm dreckig. Trotzdem gucken mich die Leute in den Läden immer sehr verdutzt an, wenn ich ohne Tüte gehe.

Wasser: In Jo'burg nicht ganz so extrem, aber in fast allen Hostels wurde man dazu angehalten, nicht länger als 5 Minuten zu duschen, um Wasser zu sparen. Das extremste, was ich bisher erlebt habe war, dass man das kalte Wasser, was man vorm Duschen laufen lässt, in einem Eimer sammeln und es zum Spülen der Toilette verwenden sollte. Gespült wird übrigens meistens nur dann, wenn es wirklich notwendig ist - und wann das notwendig ist entscheidet jeder selbst.

Verkehr: hier fährt man links - ich glaube, das hatte ich schon erwähnt. Abgesehen davon muss man ständig raten, wer gerade Vorfahrt hat. Es gibt im Prinzip rechts vor links-Straßen, aber nur dann, wenn gar nichts anderes an den Straßen steht. Dann gibt es natürlich Stop- und Vorfahrt gewähren, aber derjenige der Vorfahrt hat, hat kein Vorfahrtsschild. Man muss also wenn man kein Schild hat immer in die anderen Straßen reinschauen, um zu sehen, ob der andere einem Vorfahrt gewähren muss.
Dann gibt es noch die Stopstraßen, bei denen an jeder Straße einer Kreuzung ein Stopschild steht. In diesem Fall muss jeder anhalten und wer zuerst angehalten hat, darf auch zuerst wieder fahren. 

Vokabular: Die Südafrikaner haben manchmal etwas gewöhnungsbedürftige Ausdrücke:
SA, deutsch
Taxi  = Minibus (was wir ein Taxi nennen würden, wäre hier "cab" - ein anderer englischer Begriff für taxi)
robot  = Ampel
costume  = Sammelbegriff für Badebekleidung
lekker = alles was irgendwie gut ist, also nicht nur in Bezug auf Essen zu gebrauchen

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