Freitag, 10. Januar 2014

Tag 50 - hoch hinaus

Unser heutiges Ziel
Diese Treppen mussten wir hinauf

Und da wollen wir hin!
Blick auf Kapstadt von der Straße aus
Gestern war ich auf dem Lions Head. Ich habe morgens beim Fruehstueck rumgefragt, wer mitkommen wolle - das Wetter sah zu der Zeit leider echt bescheiden aus - und habe tatsaechlich zwei Leute ueberreden koennen. Es waren zwei Deutsche: Seb aus Muenchen, etwa 40 Jahre alt und Emmely (keine Ahnung, welche Eltern so einen schoenen Namen so verstuemmeln koennen) aus Stuttgart, 23 Jahre alt. Es war bewoelkt und leicht am nieseln, aber im Laufe des Tages sollte es besser werden. Wir sind vom Hostel aus losgegangen zum Anfang des Naturschutzgebietes, von wo aus man auf den Pass zwischen Lions Head und Signal Hill kommt. Der Aufstieg dahin dauerte schon einige Zeit, aber auf der Strecke dorthin lag ein Geocache, was meine Motivation natuerlich ziemlich steigerte. Auf der Passhoehe steht eine winzige Moschee und hier sind in den Bergen immer wieder Graeber von irgendwelchen Religionsfuehrern der Muslime, so auch hier. Wir haben eine kurze Pause dort gemacht und sind dann in Richtung Lions Head aufgebrochen. Die anderen beiden haben mich tatsaechlich ausgelacht, als ich gesagt habe, dass ich an einem Tag auf beide Berge will, aber ich habe es ernst gemeint.



Das ist der Lions Head


Emmely und ich unterwegs zur Passhöhe
Ich unterwegs
Ich beim Geocachen
Die Moschee

Pause machen
Emmely, Seb und ich


Emmely und ich wagen den Aufstieg

Blick auf die Stadt
Der Aufstieg zum Lions Head ist laenger als gedacht und auf halbem Weg hat Emmely aufgegeben und ist zurueckgegangen zu der Bank bei der Moschee. Es ist ziemlich sonnig geworden und sie vertraegt die Sonne wohl nicht so gut. Also bin ich mit Seb alleine weitergegangen. Er war nicht so motiviert wie ich, aber ich wollte unbedingt bis auf den Gipfel. Schon beim Aufstieg hatte man einen wahnsinnig guten Ausblick auf Kapstadt und der wurde mit jedem Schritt besser. Man sah das Stadtzentrum und Gardens, den Signal Hill und die Straende, sowie alle umliegenden Huegel und natuerlich den benachbarten Tafelberg, der aber von seiner Tischdecke bedeckt war.
ich auf halber Höhe
Pause
Den haben wir unterwegs getroffen


Panorama auf dem Weg zum Lions Head


Der Gipfel kommt näher
Der Lions Head ist am Ende ziemlich steil und man muss teilweise auf allen vieren rauf und auch kurze Waende hinaufklettern und zwei mal Leitern nehmen, aber es lohnt sich. Seb hat kurz vor dem Gipfel aufgegeben und ich bin allein weiter hinaufgestiegen und das Gefuehl, ganz oben zu sein ist echt fantastisch. Man hat einen wahnsinnigen Rundumblick und es war warm und wunderbar sonnig - lange nicht so windig, wie am Cape Point zuvor. Irgendwann kam Seb dann doch hinterher und wir haben einige Zeit dort oben verbracht, die Aussicht genossen und Fotos gemacht.


Der Weg direkt am Abgrund
Ich am Weg
Spagat auf dem Weg nach oben

Der Tafelberg mit dem Tischtuch
Ausblick auf die Stadt
Der Gipfel zum Greifen nah
Ich bin oben!
Hinter mir gehts steil runter
Turnen auf dem Berg
Ausblick aufs Meer
Wir sind auf 655 Höhenmetern!
hübscher Schmetterling
Die Stadt im Hintergrund
Ich bin ganz weit oben!
Ausblick auf die Stadt
Robben Island
Blick auf die Stadt
Der Abstieg war dann nicht so schoen, aber ich habe es langsam angehen lassen und bin vorsichtig runtergestiegen, an den steilen Stellen auch unter Einsatz meiner Haende, weil mir das sicherer erschien. Auf dem begehbaren (im Gegensatz zu dem kletterbaren) Weg bergab ist Seb dann einige male gestolpert und umgeknickt. Er scheint nicht so sicher auf den Beinen zu sein. An der Moschee haben wir Emmely wiedergetroffen, die uns erzaehlt hat, dass der Mann, den wir dort vorher getroffen haben und der uns beim Aufstieg noch "God bless you" gewuenscht hat, sie belaestigt hat und sich dann, als er gesehen hat, dass sie sich das nicht gefallen lassen wuerde, aus dem Staub gemacht hat. Wir waren beide ziemlich geschockt darueber, weil wir die Meinung vertreten, dass gerade glaeubige Menschen so was nicht machen sollten. Direkt nach dieser Schilderung kam noch ein Mann an der Moschee an und als wir ihn nach Wasser gefragt haben, war er unheimlich freundlich und hat uns sogar eine Flasche geschenkt. So unterschiedlich koennen eben die Menschen sein.

Auf Signal Hill mit dem Stadion im Hintergrund
Dann sind wir noch zum Signal Hill gegangen. Das war von der Passhoehe aus wirklich ein Sparziergang, weil es kaum noch bergauf ging. Emmely hat in der Zwischenzeit Seb den Floh ins Ohr gesetzt, Steak essen zu gehen. Sie war mit einer Freundin mit dem Mietwagen in einem Steakrestaurant und war davon restlos begeistert. Jetzt ist Steak nunmal nicht mein Ding, aber ich habe zugesagt, mitzukommen, auch wenn ich diesbezueglich ein eher schlechtes Gefuehl hatte.

Zurueck im Hostel - wir sind natuerlich zu Fuss den Berg wieder runter gegangen - habe ich geduscht und mich zum Essen gehen fertig gemacht. Die anderen beiden haben das Taxi bestellt. Allerdings ist deren Englisch so schlecht, dass die wohl ernsthafte Probleme damit hatten und die Maedels an der Rezeption das dann uebernommen haben.

Wir beim Essen
Der Taxifahrer wusste ueberhaupt nicht, wo er uns hinbringen wollte und nachdem Emmely die Strasse diktiert hatte, war dem Fahrer wohl klar, dass das ziemlich weit ausserhalb war. Kurz nachdem wir losgefahren waren, sagte er uns, dass uns die Fahrt wohl 300 R kosten wuerde - also 100 pP. So viel wollte ich nichtmal fuers Essen ausgeben. Aber da wir nun schonmal im Taxi sassen, hatte es keinen Sinn, sich aufzuregen. Ausserdem haben das die anderen beiden uebernommen, die mich ueberredet hatten, in dieses Steakhouse zu gehen.
Es stellte sich dann auch heraus, dass das Steakhouse kaum andere Gerichte als Steak anbot und nur insgesamt 3 vegetarische - alles andere war pures Fleisch und das esse ich ja nicht. Ich habe mir also einen Camembertteller bestellt und auf diesem Teller lag genau ein halber Camembert, aber jede Menge Gemuese und Beilagen. Das mit dem halben Camembert war schon echt dreist, aber die Beilagen waren total lecker.
Fuer die Rueckfahrt hatten wir dann ein anderes Taxiunternehmen und irgendwie hat der uns nur knapp 200 R pro Fahrt berechnet. Mit dem hatten wir gleich fahren sollen - oder in das Steakrestaurant um die Ecke gehen sollen, wie ich es vorgeschlagen hatte. Damit waeren wir alle deutlich billiger weggekommen. Ausserdem waren die anderen beiden dann doch nicht mehr so begeistert von dem Steak und etwas in der Qualitaet haetten sie dort dann wohl auch bekommen.
Anschliessend bin ich nur noch todmuede ins Bett gefallen und habe bis ca 9 Uhr geschlafen - das ist fuer Suedafrika echt lange!



Houses of Parliament
Heute morgen wusste ich mit dem Tag nicht wirklich was anzufangen. Eigentlich wollte ich auf den Tafelberg, aber es war so bewoelkt, dass daran nicht zu denken war. Ich habe Sebastian eine SMS geschickt, was er so macht und bin dann losgegangen an die Waterfront und habe mal wieder nach Seglern gesucht. Ich habe mich dann mit "heute faehrt eh keiner raus" abspeisen lassen. Immerhin bin ich dieses mal bis in den Hafen reingekommen.

Ein süßes Eichhörnchen
Dann bin ich weitergegangen bis ins Stadtzentrum, die Long Street hinauf bis zum House of Parliament und den daneben liegenden Gaerten. Direkt am Parlament habe ich ein paar schwedische Geocacher getroffen und mit ihnen zusammen einen Cache gehoben. Dann bin ich in die Gaerten und habe mich dort umgesehen. Es gibt riesigen Bambus und einen wahnsinnig grossen Baum dort. Ausserdem sind die Eichhoernchen hier alle zahm und man kann sie mit Nuessen fuettern.

Ich umarme einen riesigen Baum
Ploetzlich stand dann Sebastian (Erinnerung: Der aus Chile, den ich in Wilderness kennengelernt habe) vor mir. Er hat mir erklaert, dass er kein Guthaben mehr auf dem Handy hat, mich aber eigentlich anrufen wollte. So ein Zufall! Es hat ihn an seinem letzten Tag also genau dorthin verschlagen, wo ich auch war. Gemeinsam haben wir einige Eichhoernchen gefuettert und ein paar Geocaches gesucht. In einem haette ich Dori auch lassen koennen, aber ich habe mir ueberlegt, dass ich ihr erst noch ein Schild mache, wo draufsteht, wo sie hin moechte und sie dann aussetze. Hoffen wir mal, dass ich am Kruger oder in Durban was fuer sie finde.


Ich füttere ein Eichhörnchen
Im Park
Dann haben wir in Sebastians Hostel auf eine Freundin von Larissa gewartet. Heute hat Larissa Geburtstag und die beiden wollten ihr zusammen ein Geschenk kaufen. In diesem Hostel ist auch Nadav (Erinnerung: Israeli, habe ihn auf der Fahrt von Wilderness nach Kapstadt kennengelernt, schwul, mag keine Zwiebeln) und ich freue mich wahnsinnig, ihn wiederzusehen. Er laedt mich auf eine Schwulenparty in der Naehe meines Hostels ein. Allerdings habe ich das Gefuehl, dass ich da etwas fehl am Platze bin.

Als Larissas Freundin eintrifft, gehen wir dann auf den Green Market und kaufen fuer Larissa Ohrringe, Armreifen und eine Kette. Sebastian ist unglaublich gut im verhandeln. Ich sollte ihn immer mitnehmen. 
Ich füttere noch ein Eichhörnchen

Die Long Street

Ein Elefant an der Waterfront!
Dann gehen wir beiden weiter in Richtung Waterfront, weil Sebastian dort noch nicht war. Wir finden noch einen Geocache, der mir vorher nicht gelungen ist und machen jede Menge Fotos an der Waterfront. Von allen Leuten, mit denen ich gereist bin, war Sebastian die beste Gesellschaft, dicht gefolgt von Olivia (auch wenn ich mit ihr wirklich nur kurz zu tun hatte), Gabriel, Lindsey, Mike, Chris und Nadav. Alle anderen, sogar Larissa, bleiben weit dahinter zurück. Mit ihr war ich zwar häufig zusammen, aber wir sind zu unterschiedlich und Walter und seine Freunde zählen nicht, weil sie in Kapstadt zuhause sind. 

Sebastian und ich an der Waterfront


Es ist schon fast 6 als Sebastian und ich uns verabschieden. Wir haben herausgefunden, dass wir beide morgen früh mit einem Abstand von nur 30 Minuten vom Flughafen in Kapstadt nach Jo'burg fliegen. Sein Ziel ist allerdings Indien und nicht Südafrika. Er steigt in Jo'burg also nur um.
Ausblick zum Signal Hill
 
Der Tafelberg mit Tischtuch
Im Hostel dusche ich erstmal und muss dann wieder in die alte Kleidung zurück. Ich habe nichts sauberes mehr. Aber so schlimm ist die Kleidung noch nicht. Das wird wohl gehn.
Oben in der Bar ist heute abend Braii, südafrikanisches Grillen, angesagt. Ich habe mich auch angemeldet und vegetarisch angekreuzt. Das ganze wird von den deutschen Angestellten im Hostel organisiert. Die werden wohl ordentliches Vegi-Essen hinbekommen.
Auf dem Balkon setze ich mich zu einer einzelnen Reisenden und wir kommen ins Gespräch. Sie ist Martina aus Eindhoven (bzw dort aus der Nähe). Da gerade Happy Hour ist (2 Bier für 20 Rand, umgerechnet ca 1,40 €), kaufen wir uns Bier (bzw ich Savanna) und setzen uns damit nach draußen. Das Braii sollte eigentlich um halb 8 anfangen. Es fängt im Endeffekt erst um halb 9 an, sodass ich bis dahin schon 4 Savanna intus habe. In der Zwischenzeit haben sich zwei Amerikanerinnen zu uns gesetzt. Ich hatte schon den Verdacht, dass die beiden ein Paar sind, aber wie sie uns erzählen sind sie sogar verheiratet. Sie erzählen ein bisschen von ihrer Hochzeit und die war wohl SO unkonventionell, wie es eben geht. Genauso hätte ich es den beiden aber auch zugetraut, denn nach einer normalen Hochzeit sehen sie auch einfach nicht aus.
Das Essen war im Übrigen großartig und ich habe noch jede Menge anderer Leute kennengelernt. Martina und ich haben uns übrigens für Jo'burg fürs Kino verabredet. Sie will sich bei mir melden, wenn sie dort ist und wir wollen zusammen den neuen Mandela-Film sehen.

Es war insgesamt ein sehr lustiger Abend und die letzten Leute sind gegen 1 Uhr ins Bett gegangen. Ich habe ja kein Bett mehr, also sitze ich jetzt hier und schreibe. Um 4 Uhr kommt mein Flughafenshuttle und dann geht es zurück nach Jo'burg, wo ich von Debbie abgeholt werde.

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