So, was ist seit meinem letzten Post passiert? Ich war ein bisschen Reiten mit Michelles jungem Pferd Chandon. Der ist erst 6 oder 7 und hat mich beim ersten Reiten richtig getestet. Am nächsten Tag war er aber super lieb und alles hat total gut geklappt. Also sind Michelle und ich mit Jenna am Führzügel ausgeritten. Eigentlich nur im Schritt, aber da gibt es diese Strecke mit richtig schönen Natursprüngen und ich durfte über ein paar davon reiten. Das war echt klasse. Und als Jenna dann auch über einen Sprung wollte, habe ich die beiden vorreiten lassen und bin selbst hinterhergetrabt. Das gefiel Chandon irgendwie nicht und er fing an zu rennen und zu buckeln und ruck zuck lag ich unten. Er war auch nicht der einzige der gebuckelt hat. Agamo, Michelles Pferd hats auch versucht. Einzig das Pony, Lolita, hat sich das Spektakel nur angeschaut. Auf dem restlichen Ausritt durfte Chandon dann vorangehen und war deshalb auch total entspannt.
Beim Runterfallen bin ich auf meinem linken Fuß gelandet und muss ihn wohl umgeknickt haben. Das hat man im Reitstiefel gar nicht bemerkt, aber als ich den Stiefel ausgezogen habe, tat mir der Fuß ziemlich weh. Aber ich hatte Glück im Unglück. Als wir später bei einem Volti-Training waren, war dort zufällig auch Rosanne, die Physiotherapeutin, die zufällig auch Tape dabei hatte. Ich hab mir den Fuß wohl nur verstaucht oder so und mittlerweile ist der auch schon viel besser.
Am Sonntag morgen war ich mit Rosanne, Janet, Julia und Rosannes Töchtern bei einem Brunch nach einer Jagd, bei der Dustin mitgeritten ist. Es sollte wohl so eine Art Abschiedsbrunch für ihn sein, aber außer uns war niemand von den Voltigierern da. Das fand ich schon etwas seltsam. Nachmittags war ich dann noch mit Michelles Familie schwimmen. Ihr Mann, Peter, spielt Wasserball und sein Teamkollege hat Schlüssel für alle möglichen Schwimmbäder der lokalen Schulen. Hier haben die Schulen eigene Schwimmbäder!!! Ich dachte schon, dass es ziemlich cool war, dass die Uni Bielefeld ihr eigenes Schwimmbad hatte.
Gestern hatte ich dann noch ein Training mit Abby, bei der ich am Samstag auch schon war und als wir nachmittags ausreiten wollten, hatte Agamo ein Eisen verloren, sodass sich das dann auch erledigt hatte. Also war ich dann mit Chandon wieder auf dem Platz, aber er war total spannig und unausgeglichen, sodass ich richtig mit ihm arbeiten musste. Da wäre Ausreiten schon schöner gewesen. Allerdings hats dann auch plötzlich ziemlich angefangen zu regnen und da war ich schon froh, dass ich einfach direkt in den Stall reiten konnte.
Hier wird das mit den Pferden etwas seltsam gehandhabt. Die werden vor und nach dem Reiten nicht geputzt. Sie bekommen nichtmal die Hufen ausgekratzt. Das wird immer von den Stallburschen erledigt, wenn die Pferde abends von der Weide kommen. Nach dem Reiten wird das Pferd höchstens geduscht, aber das war ja bei dem Regen unnötig.
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| Ich vor Nelson Mandelas Haus |
Heute war ich auf einer Touristentour in Soweto und im Apartheid-Museum.
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| Gedenksteine |
Soweto ist das
South
Western
Township, zählt aber wohl als eigene Stadt. Ich wurde heute morgen von Evelyn zum Bus gefahren und dann ist unser Fahrer und Tourführer Simon mit einer Gruppe von 5 Personen nach Soweto gefahren. Der erste Stop war Nelson Mandelas Haus, in dem er im Dezember gestorben ist. Ich habe Bilder von dem Haus gesehen, als alle Leute Blumen abgelegt und Kerzen dort aufgestellt hatten. Jetzt sah es abgesehen von der strengen Bewachung nicht mehr so spektakulär aus. Nur auf den Steinen, die vor dem Haus liegen, stehen noch Beileidsbekundungen und sie sind mit bunten Bildern bemalt.
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| Für Wolfram: Soccer City |
Dann gings nach Soccer City, zum Fußballstadion, das für die Weltmeisterschaft vor 4 Jahren gebaut wurde. Die Farben sollen die Farben der verschiedenen Böden sein, die man in Südafrika findet. Das passt hier besonders gut hin, weil in der Gegend ja Gold abgebaut wurde und der Abraum liegt in großen Bergen überall rum. Diese Abraumberge geben der Landschaft ein sehr interessantes Aussehen.
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| Wilkommen in Soweto |
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| bunte Vuvuzelas auf der Straße |
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| eine Straße im wohlhabenden Viertel |
Dann sind wir tatsächlich nach Soweto reingefahren. Das Township ist
wahnsinnig vielfältig. Zuerst ging es durch Diepkloof Extension, dem
wohlhabenden Viertel. Dort stehen Häuser, die ich eher in Midrand
erwartet hätte (da wo ich wohne).
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| Die alten Arbeiterhäuser |
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| alte Arbeiterhäuser |
Direkt gegenüber von diesem Stadtteil liegt ein Teil mit sehr alten Gebäuden, in denen früher die Minenarbeiter gewohnt haben. Diese Gebäude haben noch nichtmal Strom. Trotzdem sieht man auf einigen Dächern Satellitenschüsseln, weil sich die Hausbewohner den Strom illegal an Straßenlaternen abzapfen. Die Häuser haben auch kein fließendes Wasser, sodass die Leute immer zum öffentlichen Wasserhahn laufen müssen, wenn sie Wasser brauchen. Außerdem stehen zwischen den Häusern Dixi-Klos.
Dann sind wir zu einem zentralen Taxistand gefahren, von wo aus wir zu Fuß im Township rumgeführt wurden. Davon habe ich leider gerade keine Fotos, weil meine Kamera mich ständig verarscht hat und behauptete, die Batterien seien leer. Das kann zwar gar nicht sein, aber Fotos machen konnte ich auch nicht.
Die Menschen im Township scheinen dran gewöhnt zu sein, dass Touristen herumgeführt werden, denn es hat kaum einer versucht, uns was zu verkaufen. Der Guide, der uns dort herumgeführt hat, hat uns erstmal erzählt, wie das mit den Taxis funktioniert. Man stellt sich irgendwo an den Straßenrand, zeigt in "Taxi-Zeichensprache", wo man hin möchte und wartet auf das nächste Taxi, das anhält und einen dort hinbringt. Es gibt für die vielen verschiedenen Ziele immer genau ein Zeichen. Stadtzentrum Johannesburg ist zum Beispiel ein nach oben gestreckter Zeigefinger. Etwa so, wie man sich in der Schule melden sollte, nur dass man hier die Hand zur Straße hin hält, wie beim Trampen.
Dann wurde uns das öffentliche Telefon gezeigt. Viele Menschen im Township telefonieren mit den öffentlichen Telefonen, weil das günstiger ist, als mit dem Handy. Auch internationale Gespräche sind so zu einem guten Preis zu bekommen. Dann haben wir noch den Markt gesehen - der war quasi überall und die Verkäufer sind meistens aus den angrenzenden Ländern da und verkaufen ihre Waren schwarz. Zwei Stände haben mich nachhaltig beeindruckt. An einem wurden Mixturen von afrikanischen Heilern verkauft - alle möglichen Wurzeln, Knollen und Pulver - und an dem anderen Kuh- oder Pferdeköpfe... Also echte Köpfe mit allem nur ohne das Fell. Demenstprechend konnte ich das Tier auch nicht so richtig definieren. Außerdem bin ich schnell weitergegangen, weil das echt widerlich war und auch nicht gut gerochen hat. Insgesamt hat es dort ziemlich unschön gerochen.
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| Die alten Kühltürme |
In Soweto steht ein altes Kohlekraftwerk, das nicht mehr in Betrieb ist. Statt es abzureißen wurde es einfach leer stehen gelassen und Künstler haben die beiden Kühltürme bunt bemalt. Die sehen echt gut aus und sind ein Merkmal von Soweto geworden. Die sind sogar so bekannt, dass dort Bungeesprünge angeboten werden und Restaurants angesiedelt sind, in denen Firmen ihre Weihnachtsfeiern o.ä. veranstalten - und das mitten in Soweto!
Der Rest des Kraftwerks soll wohl irgendwann mal als Wohn- oder Geschäftsraum weiterverwendet werden.
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| Ausblick auf Soweto |
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| Ein ärmeres Häuschen |
Dann sind wir weitergefahren durch die "Mittelklasse"-Gegend Sowetos. Dort fällt vor allem auf, dass zwischen all den sehr kleinen und bescheidenen Häuschen vergleichsweise protzige Bauten stehen von denjenigen, die es wirklich geschafft haben, etwas aus sich zu machen, aber wohl nicht aus ihrer Nachbarschaft wegziehen wollen. Es fällt auch auf, dass selbst die Häuschen der ärmeren Leute enorm gesichert sind.
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| Ein Mittelklasse-Häuschen |
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| Häuschen mit Untermieter (Blechhütte) |
In einer Gegend in diesem Gebiet ist es üblich, dass die Menschen ihre
Häuschen nur mieten und dann auf dem Grundstück kleine Blechhütten
aufstellen und diese untervermieten - teilweise zu horrenden Preisen.
Der Rekord liegt wohl bei 22 Blechhütten auf dem Grundstück. Die
Grundstücke sind allerdings so klein, dass ich nicht weiß, wo dort 22
Blechhütten untergebracht werden sollten.
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| außerordentlich hübsche Straße in diesem Viertel |
Und mit Blechhütten meine ich kleine Verschläge, in denen in Deutschland kein geradeaus denkender Mensch auch nur seinen Hund - geschweige denn einen anderen Menschen hausen ließe. Da passt bestenfalls ein Bett rein, aber viel mehr eigentlich nicht.
Bei einigen Hütten habe ich mich sogar gefragt, ob die Bewohner vielleicht im Stehen schlafen müssen, weil die so winzig sind.
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| Auf der anderen Straßenseite liegt der Müll rum |
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| noch mehr Häuschen mit Untermietern |
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| informal settlements |
Dann sind wir noch zu den sogenannten "informal settlements" gefahren,
dem ärmsten Bezirk in Soweto, wo alle Leute nur in Blechhüttchen mit
gemeinsam genutzten Wasserhähnen und öffentlichen Toiletten wohnen.
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| Straße im ganz armen Soweto |
So informal sind die allerdings gar nicht mehr, weil alle Hütten eine Nummer haben. Wir waren gerade während der Arbeitszeit dort und außer dem ein oder anderen kleinen Laden oder Friseur waren alle Hütten abgeschlossen. Das mit dem abschließen ist ein bisschen, wie in Münster, wo die Fahrradschlösser teilweise mehr wert sind, als die damit abgeschlossenen Fahrräder. Die Leute sind hier doch alle sehr sehr vorsichtig.
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| Mahnmal vor dem Hector Pieterson Museum |
Anschließend sind wir weitergefahren zum Hector Pieterson Museum. Jetzt gibts eine kurze Geschichtsstunde: Während der Apartheid gab es unterschiedliche Schulgesetze für schwarze und weiße Schüler. Die Schwarzen wurden nur so weit ausgebildet, dass sie für körperliche Arbeit einsetzbar waren und sich mit ihren Arbeitgebern verständigen konnten. Da die weiße Regierung aber Angst hatte vor einer Übermacht der Schwarzen, wurde die offizielle Unterrichtssprache 1976 auf Afrikaans geändert. Das war für die Schüler in Soweto problematisch, weil die bis dahin nur ihre Muttersprache und Englisch gelernt hatten und der Unterricht plötzlich auf einer ihnen unbekannten Sprache gehalten werden sollte. Mit dem Unterrichten in Afrikaans waren sogar die Lehrer überfordert. Sie haben diese Änderung als Mittel der Unterdrückung erkannt und angefangen, die Schulen zu boykottieren. Am 16. Juni sollte eine Demonstration aller Schüler stattfinden. Sie haben sich schulüberbreifend organisiert und wollten von ihren Schulen aus in friedlicher Demonstration zu einem vereinbarten Treffpunkt gehen. Dieser Protest erreichte über 10 000 Schüler, was ich für eine beachtliche Leistung halte. Das ganze wurde schließlich ohne Medien von Jugendlichen organisiert. Das bekäme heutzutage niemand mehr hin.
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| Das berühmte Bild von Mbuyisa und Hector |
Leider wurde der Protest von der Polizei angehalten. Die Polizisten haben einen Hund auf die Schüler gehetzt, die, bedroht durch den Hund diesen mit Steinen totgeschlagen haben. Dann kam es zu Steinwürfen zwischen Polizei und Schülern und schließlich haben die Polizisten auf die Kinder geschossen und Tränengasbomben geworfen.
Ein Schüler, der von einem Polizisten an erschossen wurde, war der 13-jährige Hector Pieterson, ein anderer - und er wurde schon kurz vor Hector getötet - war Hastings Ndlovu. Hector wurde von einem älteren Schüler, Mbuyisa Makhubo, aus der Menge weggetragen, begleitet von Hectors Schwester. Das Bild von den drei Kindern ging durch die Medien und Hector wurde ein Symbol für die blutigen Schüleraufstände vom 16. Juni 1976.
In diesen Protesten starben über 400 Menschen. Mbuyisa Makhubo und der Fotograf, der das Foto an die Presse gegeben hat, wurden von der Polizei festgehalten und sind anschließend ins Ausland ins Exil gegangen.
Das Museum ist nach Hector Pieterson benannt und versucht, die geschichtlichen Hintergründe zu entschlüsseln. Es ist interessant, dass die Augenzeugenberichte so unterschiedlich sind. In den Polizeiberichten steht, dass die Kinder angefangen hätten, Gewalt auszuüben, während andere Quellen berichten, die Polizisten hätten ohne Vorwarnung angefangen, mit Steinen zu werfen.
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| Gedenkstätte für Nelson Mandela in seinem Haus |
Anschließend sind wir zu Nelson Mandelas Haus in Soweto gefahren, das
jetzt ein Museum ist. Es ist in der Vilakazi Street, in der auch der
Erzbischof Esmond Tutu lebt oder gelebt hat, der 1984 mit dem
Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Damit ist Vilakazi Street die
einzige Straße der Welt, in der zwei Friedensnobelpreisträger gelebt
haben.
Im Haus bekamen wir eine kurze Zusammenfassung über Nelson
Mandelas Leben und Hintergrundinformationen zu dem Haus, welches häufig
unter Beschuss stand, umgebaut und später wieder zurückgebaut wurde.
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| Nelson Mandelas Haus von außen |
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| Haus von innen |
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| Ich vor Mandelas Haus |
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| Ich vor dem Eingang zum Apartheid Museum |
Danach ging es direkt zum Apartheid-Museum, wo wir auch Mittag gegessen haben. Das Essen war allerdings nicht wirklich gut. Wenn man in das Museum reingeht bekommt man auf seiner Eintrittskarte einen "Ausweis" der einen als weiß oder schwarz klassifiziert und man betritt das Museum dann durch separate Eingänge. Ich war weiß.
Das Museum ist wahnsinnig umfangreich und man kann ohne weiteres wohl einen ganzen Tag dort verbringen. Dafür muss man sich aber außerdem schon sehr gründlich mit der Geschichte Südafrikas auseinandergesetzt haben, um alle Namen einordnen zu können. Das hatte ich nicht getan - jedenfalls nicht umfangreich genug, sodass ich mit den Inhalten zum Teil ziemlich überfordert war. Man hätte genau so gut ein Buch über das Apartheid-Regime lesen können, denn im Prinzip geht man im Museum nur von Text zu Text und es gibt sehr wenig richige Ausstellungsstücke. Außerdem hatte ich auch das Gefühl, dass sich sehr viel wiederholt. Die Aufmachung des Museums war ansich gut, aber die Menge an Informationen, die es dort gab hätte ohne weiteres auf ein Viertel reduziert werden können mit dem Ergebnis, dass ich sicher mehr behalten hätte, als in der tatsächlich vorherschenden Informationsflut.
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| Blick auf Jo'burg |
Ich habe auf dem Rückweg noch ein Foto gemacht, um euch zu zeigen, warum ich immer sage, es sei hier alles so grün. Johannesburg ist nämlich eine der bewaldetsten Städte der Welt und wenn man mal von schräg oben draufguckt, wird einem das auch direkt klar. Es stechen im Prinzip nur die Stadtteile Sandton und Newtown mit ihren Hochhäusern hervor. Überall sonst wohnen die meisten Menschen in Einfamilienhäusern und ich habe bisher keins gesehen, das höher ist als bis zum 1. Obergeschoss. Auf den Grundstücken stehen überall Bäume und an den Straßen auch.