Mittwoch, 29. Januar 2014

Tag 70 - Soweto

So, was ist seit meinem letzten Post passiert? Ich war ein bisschen Reiten mit Michelles jungem Pferd Chandon. Der ist erst 6 oder 7 und hat mich beim ersten Reiten richtig getestet. Am nächsten Tag war er aber super lieb und alles hat total gut geklappt. Also sind Michelle und ich mit Jenna am Führzügel ausgeritten. Eigentlich nur im Schritt, aber da gibt es diese Strecke mit richtig schönen Natursprüngen und ich durfte über ein paar davon reiten. Das war echt klasse. Und als Jenna dann auch über einen Sprung wollte, habe ich die beiden vorreiten lassen und bin selbst hinterhergetrabt. Das gefiel Chandon irgendwie nicht und er fing an zu rennen und zu buckeln und ruck zuck lag ich unten. Er war auch nicht der einzige der gebuckelt hat. Agamo, Michelles Pferd hats auch versucht. Einzig das Pony, Lolita, hat sich das Spektakel nur angeschaut. Auf dem restlichen Ausritt durfte Chandon dann vorangehen und war deshalb auch total entspannt.
Beim Runterfallen bin ich auf meinem linken Fuß gelandet und muss ihn wohl umgeknickt haben. Das hat man im Reitstiefel gar nicht bemerkt, aber als ich den Stiefel ausgezogen habe, tat mir der Fuß ziemlich weh. Aber ich hatte Glück im Unglück. Als wir später bei einem Volti-Training waren, war dort zufällig auch Rosanne, die Physiotherapeutin, die zufällig auch Tape dabei hatte. Ich hab mir den Fuß wohl nur verstaucht oder so und mittlerweile ist der auch schon viel besser.

Am Sonntag morgen war ich mit Rosanne, Janet, Julia und Rosannes Töchtern bei einem Brunch nach einer Jagd, bei der Dustin mitgeritten ist. Es sollte wohl so eine Art Abschiedsbrunch für ihn sein, aber außer uns war niemand von den Voltigierern da. Das fand ich schon etwas seltsam. Nachmittags war ich dann noch mit Michelles Familie schwimmen. Ihr Mann, Peter, spielt Wasserball und sein Teamkollege hat Schlüssel für alle möglichen Schwimmbäder der lokalen Schulen. Hier haben die Schulen eigene Schwimmbäder!!! Ich dachte schon, dass es ziemlich cool war, dass die Uni Bielefeld ihr eigenes Schwimmbad hatte.

Gestern hatte ich dann noch ein Training mit Abby, bei der ich am Samstag auch schon war und als wir nachmittags ausreiten wollten, hatte Agamo ein Eisen verloren, sodass sich das dann auch erledigt hatte. Also war ich dann mit Chandon wieder auf dem Platz, aber er war total spannig und unausgeglichen, sodass ich richtig mit ihm arbeiten musste. Da wäre Ausreiten schon schöner gewesen. Allerdings hats dann auch plötzlich ziemlich angefangen zu regnen und da war ich schon froh, dass ich einfach direkt in den Stall reiten konnte.

Hier wird das mit den Pferden etwas seltsam gehandhabt. Die werden vor und nach dem Reiten nicht geputzt. Sie bekommen nichtmal die Hufen ausgekratzt. Das wird immer von den Stallburschen erledigt, wenn die Pferde abends von der Weide kommen. Nach dem Reiten wird das Pferd höchstens geduscht, aber das war ja bei dem Regen unnötig.


Ich vor Nelson Mandelas Haus
Heute war ich auf einer Touristentour in Soweto und im Apartheid-Museum.
Gedenksteine
Soweto ist das South Western Township, zählt aber wohl als eigene Stadt. Ich wurde heute morgen von Evelyn zum Bus gefahren und dann ist unser Fahrer und Tourführer Simon mit einer Gruppe von 5 Personen nach Soweto gefahren. Der erste Stop war Nelson Mandelas Haus, in dem er im Dezember gestorben ist. Ich habe Bilder von dem Haus gesehen, als alle Leute Blumen abgelegt und Kerzen dort aufgestellt hatten. Jetzt sah es abgesehen von der strengen Bewachung nicht mehr so spektakulär aus. Nur auf den Steinen, die vor dem Haus liegen, stehen noch Beileidsbekundungen und sie sind mit bunten Bildern bemalt.










Für Wolfram: Soccer City
Dann gings nach Soccer City, zum Fußballstadion, das für die Weltmeisterschaft vor 4 Jahren gebaut wurde. Die Farben sollen die Farben der verschiedenen Böden sein, die man in Südafrika findet. Das passt hier besonders gut hin, weil in der Gegend ja Gold abgebaut wurde und der Abraum liegt in großen Bergen überall rum. Diese Abraumberge geben der Landschaft ein sehr interessantes Aussehen.




Wilkommen in Soweto

bunte Vuvuzelas auf der Straße
eine Straße im wohlhabenden Viertel
 Dann sind wir tatsächlich nach Soweto reingefahren. Das Township ist wahnsinnig vielfältig. Zuerst ging es durch Diepkloof Extension, dem wohlhabenden Viertel. Dort stehen Häuser, die ich eher in Midrand erwartet hätte (da wo ich wohne).

Die alten Arbeiterhäuser
alte Arbeiterhäuser

Direkt gegenüber von diesem Stadtteil liegt ein Teil mit sehr alten Gebäuden, in denen früher die Minenarbeiter gewohnt haben. Diese Gebäude haben noch nichtmal Strom. Trotzdem sieht man auf einigen Dächern Satellitenschüsseln, weil sich die Hausbewohner den Strom illegal an Straßenlaternen abzapfen. Die Häuser haben auch kein fließendes Wasser, sodass die Leute immer zum öffentlichen Wasserhahn laufen müssen, wenn sie Wasser brauchen. Außerdem stehen zwischen den Häusern Dixi-Klos.























Dann sind wir zu einem zentralen Taxistand gefahren, von wo aus wir zu Fuß im Township rumgeführt wurden. Davon habe ich leider gerade keine Fotos, weil meine Kamera mich ständig verarscht hat und behauptete, die Batterien seien leer. Das kann zwar gar nicht sein, aber Fotos machen konnte ich auch nicht.
Die Menschen im Township scheinen dran gewöhnt zu sein, dass Touristen herumgeführt werden, denn es hat kaum einer versucht, uns was zu verkaufen. Der Guide, der uns dort herumgeführt hat, hat uns erstmal erzählt, wie das mit den Taxis funktioniert. Man stellt sich irgendwo an den Straßenrand, zeigt in "Taxi-Zeichensprache", wo man hin möchte und wartet auf das nächste Taxi, das anhält und einen dort hinbringt. Es gibt für die vielen verschiedenen Ziele immer genau ein Zeichen. Stadtzentrum Johannesburg ist zum Beispiel ein nach oben gestreckter Zeigefinger. Etwa so, wie man sich in der Schule melden sollte, nur dass man hier die Hand zur Straße hin hält, wie beim Trampen.
Dann wurde uns das öffentliche Telefon gezeigt. Viele Menschen im Township telefonieren mit den öffentlichen Telefonen, weil das günstiger ist, als mit dem Handy. Auch internationale Gespräche sind so zu einem guten Preis zu bekommen. Dann haben wir noch den Markt gesehen - der war quasi überall und die Verkäufer sind meistens aus den angrenzenden Ländern da und verkaufen ihre Waren schwarz. Zwei Stände haben mich nachhaltig beeindruckt. An einem wurden Mixturen von afrikanischen Heilern verkauft - alle möglichen Wurzeln, Knollen und Pulver - und an dem anderen Kuh- oder Pferdeköpfe... Also echte Köpfe mit allem nur ohne das Fell. Demenstprechend konnte ich das Tier auch nicht so richtig definieren. Außerdem bin ich schnell weitergegangen, weil das echt widerlich war und auch nicht gut gerochen hat. Insgesamt hat es dort ziemlich unschön gerochen.

Die alten Kühltürme
In Soweto steht ein altes Kohlekraftwerk, das nicht mehr in Betrieb ist. Statt es abzureißen wurde es einfach leer stehen gelassen und Künstler haben die beiden Kühltürme bunt bemalt. Die sehen echt gut aus und sind ein Merkmal von Soweto geworden. Die sind sogar so bekannt, dass dort Bungeesprünge angeboten werden und Restaurants angesiedelt sind, in denen Firmen ihre Weihnachtsfeiern o.ä. veranstalten - und das mitten in Soweto!
Der Rest des Kraftwerks soll wohl irgendwann mal als Wohn- oder Geschäftsraum weiterverwendet werden.

Ausblick auf Soweto


Ein ärmeres Häuschen

Dann sind wir weitergefahren durch die "Mittelklasse"-Gegend Sowetos. Dort fällt vor allem auf, dass zwischen all den sehr kleinen und bescheidenen Häuschen vergleichsweise protzige Bauten stehen von denjenigen, die es wirklich geschafft haben, etwas aus sich zu machen, aber wohl nicht aus ihrer Nachbarschaft wegziehen wollen. Es fällt auch auf, dass selbst die Häuschen der ärmeren Leute enorm gesichert sind.

Ein Mittelklasse-Häuschen
Häuschen mit Untermieter (Blechhütte)
 In einer Gegend in diesem Gebiet ist es üblich, dass die Menschen ihre Häuschen nur mieten und dann auf dem Grundstück kleine Blechhütten aufstellen und diese untervermieten - teilweise zu horrenden Preisen. Der Rekord liegt wohl bei 22 Blechhütten auf dem Grundstück. Die Grundstücke sind allerdings so klein, dass ich nicht weiß, wo dort 22 Blechhütten untergebracht werden sollten.

außerordentlich hübsche Straße in diesem Viertel
Und mit Blechhütten meine ich kleine Verschläge, in denen in Deutschland kein geradeaus denkender Mensch auch nur seinen Hund - geschweige denn einen anderen Menschen hausen ließe. Da passt bestenfalls ein Bett rein, aber viel mehr eigentlich nicht.
Bei einigen Hütten habe ich mich sogar gefragt, ob die Bewohner vielleicht im Stehen schlafen müssen, weil die so winzig sind.

Auf der anderen Straßenseite liegt der Müll rum

noch mehr Häuschen mit Untermietern
informal settlements
 Dann sind wir noch zu den sogenannten "informal settlements" gefahren, dem ärmsten Bezirk in Soweto, wo alle Leute nur in Blechhüttchen mit gemeinsam genutzten Wasserhähnen und öffentlichen Toiletten wohnen.

Straße im ganz armen Soweto
So informal sind die allerdings gar nicht mehr, weil alle Hütten eine Nummer haben. Wir waren gerade während der Arbeitszeit dort und außer dem ein oder anderen kleinen Laden oder Friseur waren alle Hütten abgeschlossen. Das mit dem abschließen ist ein bisschen, wie in Münster, wo die Fahrradschlösser teilweise mehr wert sind, als die damit abgeschlossenen Fahrräder. Die Leute sind hier doch alle sehr sehr vorsichtig.












Mahnmal vor dem Hector Pieterson Museum
Anschließend sind wir weitergefahren zum Hector Pieterson Museum. Jetzt gibts eine kurze Geschichtsstunde: Während der Apartheid gab es unterschiedliche Schulgesetze für schwarze und weiße Schüler. Die Schwarzen wurden nur so weit ausgebildet, dass sie für körperliche Arbeit einsetzbar waren und sich mit ihren Arbeitgebern verständigen konnten. Da die weiße Regierung aber Angst hatte vor einer Übermacht der Schwarzen, wurde die offizielle Unterrichtssprache 1976 auf Afrikaans geändert. Das war für die Schüler in Soweto problematisch, weil die bis dahin nur ihre Muttersprache und Englisch gelernt hatten und der Unterricht plötzlich auf einer ihnen unbekannten Sprache gehalten werden sollte. Mit dem Unterrichten in Afrikaans waren sogar die Lehrer überfordert. Sie haben diese Änderung als Mittel der Unterdrückung erkannt und angefangen, die Schulen zu boykottieren. Am 16. Juni sollte eine Demonstration aller Schüler stattfinden. Sie haben sich schulüberbreifend organisiert und wollten von ihren Schulen aus in friedlicher Demonstration zu einem vereinbarten Treffpunkt gehen. Dieser Protest erreichte über 10 000 Schüler, was ich für eine beachtliche Leistung halte. Das ganze wurde schließlich ohne Medien von Jugendlichen organisiert. Das bekäme heutzutage niemand mehr hin.
Das berühmte Bild von Mbuyisa und Hector
Leider wurde der Protest von der Polizei angehalten. Die Polizisten haben einen Hund auf die Schüler gehetzt, die, bedroht durch den Hund diesen mit Steinen totgeschlagen haben. Dann kam es zu Steinwürfen zwischen Polizei und Schülern und schließlich haben die Polizisten auf die Kinder geschossen und Tränengasbomben geworfen.
Ein Schüler, der von einem Polizisten an erschossen wurde, war der 13-jährige Hector Pieterson, ein anderer - und er wurde schon kurz vor Hector getötet - war Hastings Ndlovu. Hector wurde von einem älteren Schüler, Mbuyisa Makhubo, aus der Menge weggetragen, begleitet von Hectors Schwester. Das Bild von den drei Kindern ging durch die Medien und Hector wurde ein Symbol für die blutigen Schüleraufstände vom 16. Juni 1976.
In diesen Protesten starben über 400 Menschen. Mbuyisa Makhubo und der Fotograf, der das Foto an die Presse gegeben hat, wurden von der Polizei festgehalten und sind anschließend ins Ausland ins Exil gegangen.
Das Museum ist nach Hector Pieterson benannt und versucht, die geschichtlichen Hintergründe zu entschlüsseln. Es ist interessant, dass die Augenzeugenberichte so unterschiedlich sind. In den Polizeiberichten steht, dass die Kinder angefangen hätten, Gewalt auszuüben, während andere Quellen berichten, die Polizisten hätten ohne Vorwarnung angefangen, mit Steinen zu werfen.

Gedenkstätte für Nelson Mandela in seinem Haus

Anschließend sind wir zu Nelson Mandelas Haus in Soweto gefahren, das jetzt ein Museum ist. Es ist in der Vilakazi Street, in der auch der Erzbischof Esmond Tutu lebt oder gelebt hat, der 1984 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Damit ist Vilakazi Street die einzige Straße der Welt, in der zwei Friedensnobelpreisträger gelebt haben.
Im Haus bekamen wir eine kurze Zusammenfassung über Nelson Mandelas Leben und Hintergrundinformationen zu dem Haus, welches häufig unter Beschuss stand, umgebaut und später wieder zurückgebaut wurde.







Nelson Mandelas Haus von außen

Haus von innen

Ich vor Mandelas Haus

Ich vor dem Eingang zum Apartheid Museum
Danach ging es direkt zum Apartheid-Museum, wo wir auch Mittag gegessen haben. Das Essen war allerdings nicht wirklich gut. Wenn man in das Museum reingeht bekommt man auf seiner Eintrittskarte einen "Ausweis" der einen als weiß oder schwarz klassifiziert und man betritt das Museum dann durch separate Eingänge. Ich war weiß.
Das Museum ist wahnsinnig umfangreich und man kann ohne weiteres wohl einen ganzen Tag dort verbringen. Dafür muss man sich aber außerdem schon sehr gründlich mit der Geschichte Südafrikas auseinandergesetzt haben, um alle Namen einordnen zu können. Das hatte ich nicht getan - jedenfalls nicht umfangreich genug, sodass ich mit den Inhalten zum Teil ziemlich überfordert war. Man hätte genau so gut ein Buch über das Apartheid-Regime lesen können, denn im Prinzip geht man im Museum nur von Text zu Text und es gibt sehr wenig richige Ausstellungsstücke. Außerdem hatte ich auch das Gefühl, dass sich sehr viel wiederholt. Die Aufmachung des Museums war ansich gut, aber die Menge an Informationen, die es dort gab hätte ohne weiteres auf ein Viertel reduziert werden können mit dem Ergebnis, dass ich sicher mehr behalten hätte, als in der tatsächlich vorherschenden Informationsflut.

Blick auf Jo'burg
Ich habe auf dem Rückweg noch ein Foto gemacht, um euch zu zeigen, warum ich immer sage, es sei hier alles so grün. Johannesburg ist nämlich eine der bewaldetsten Städte der Welt und wenn man mal von schräg oben draufguckt, wird einem das auch direkt klar. Es stechen im Prinzip nur die Stadtteile Sandton und Newtown mit ihren Hochhäusern hervor. Überall sonst wohnen die meisten Menschen in Einfamilienhäusern und ich habe bisher keins gesehen, das höher ist als bis zum 1. Obergeschoss. Auf den Grundstücken stehen überall Bäume und an den Straßen auch.

Mittwoch, 22. Januar 2014

Tag 64 - Bird Park

Hallo,

heute hab ich endlich mal wieder was interessantes gemacht. Nachdem am Sonntag unser Nachmittag im Rhino & Lion Park wortwörtlich abgesoffen ist und Montag der Besuch der Crocodile Farm, konnten wir heute in den Bird Park in Montecasino fahren.
Debbie hatte Carols Kinder dazu eingeladen und mich gleich mit - zum Aufpassen.
Ich hatte mir unter Bird Park jetzt so was wie Vogelpark Walsrode in etwa halb so groß vorgestellt. Mir wurde von einer Vogelshow erzählt und da hatte ich mir auch etwas mehr drunter vorgestellt. Also wie ihr schon hört: wir sind in Deutschland total verwöhnt von Vogelparks.

Heute morgen habe ich also Carols Kinder Noodle, Gaby und Kella abgeholt und bin mit ihnen und Cass zum Bird Park gefahren. Debbie hat uns dort abgesetzt und ist zum Einkaufen gefahren, während wir dort waren.

Noodle hat den Vogel auf dem Kopf
Um 11 Uhr war die Vogelshow und wir kamen gerade noch rechtzeitig. Es wurde über einige Vögel was erzählt und die beiden Moderatoren haben das auch sehr witzig rübergebracht, allerdings war der tatsächliche Vogel-Inhalt dann doch sehr mager. Ziemlich lustig war es, als ein "lachender Hans" präsentiert wurde, der auf dem Kopf eines Zuschauers landen sollte. Noodle hat sich gemeldet und der Vogel ist auf dem Hut gelandet, den der Moderator ihr gegeben hat.

Der Tukan
Dann wurde noch ein Tukan präsentiert, eine Eule und zwei blaue Kraniche - die Nationalvögel Südafrikas. Die haben aber außer rumlaufen und fliegen nicht viel gemacht.

Ein Pelikan wurde auch gezeigt. Er ist über das Wasser gehüpft, was ziemlich lustig aussah.



der blaue Kranich (das Baby!)
Ich unterhalte mich mit einem Papagei
Danach sind wir dann selbst losgegangen, um den Park anzusehen. Sehr schön fand ich, dass die Papageien alle in offenen Häusern saßen, die mit Seilen verbunden waren, sodass sie frei herumklettern konnten. Sie konnten sogar sprechen und haben uns immer "Hello" zugerufen, als wir vobeigegangen sind.

Ich vor dem Wasserfall
Dann kamen wir in ein großes Gehege, in dem viele Vögel und sogar eine Mini-Antilopenart frei herumliefen. Darin integriert war auch eine Reptilien-Ausstellung mit zahlreichen Schlangen und Echsen. Die Riesenschlangen hatten gerade Futter bekommen und hatten jeweils ein totes Kaninchen oder Meerschweinchen im Gehege und waren am Fressen. Einer der Angestellten hat uns darüber aufgeklärt, dass die Schlangen nur dann gefüttert werden, wenn sie wirklich hungrig sind. Bei einigen davon ist das nur 3-5 mal im Jahr der Fall. Da hatten wir also wirklich Glück.
Die Schlange frisst ihr Kaninchen
Die Schlangen brauchten alle ziemlich lange zum Fressen. Eine war sogar bei unserem 2. Besuch noch nicht weiter, als beim 1. Es ist aber wirklich interessant, ihnen beim Fressen zuzusehen, weil man genau sehen kann, wie sie den Unterkiefer aushaken und die Beute komplett verschlingen.




Süße Papageien



Außer Vögeln, Antilopen und Schlangen gab es noch ein paar Gehege mit Affen, zu denen wir nach dem Freigehege gegangen sind. Auf der Wiese direkt neben den Affen liefen außerdem Pelikane herum, die versucht haben, Fischstückchen vom Boden zu fressen. Das sah ziemlich witzig aus, weil die mit ihrem Schnabel nicht wirklich was aufheben können und deshalb den Kopf so sehr drehen mussten, dass sie die Beute seitlich aufheben konnten.
Dori war sehr mutig und hat ein Foto mit den Pelikanen gemacht, obwohl sie ja eigentlich ein Beutetier für die Vögel ist.
Pelikane beim Fressen
Dori bei den Pelikanen

hübscher Vogel
Dann gab es noch ein Haus mit Fröschen, Chamäleons, Skorpionen und einem Krokodil. Die Skorpione hat man kaum gesehen. Es waren die größten, die es in Afrika gibt und selbst die waren viel kleiner, als ich sie mir vorgestellt hatte.
Bei den ausgestellten Fröschen handelte es sich um Pfeilgiftfrösche. Die sind winzig und selbst für Menschen tödlich. Außerdem sind sie total schön!!!!

Dann ist den Kindern langweilig geworden - nach drei Stunden, in denen sie nur an den einzelnen Gehegen vorbeigerannt sind (immerhin an fast allen 2 mal), ohne auch nur einen Blick auf die Schilder zu werfen. Sie haben von jedem Tier ein Foto gemacht und dann gings weiter. Ist das der Zoobesuch der Zukunft?
Cass hat dann Debbie angerufen, damit wir abgeholt wurden. Debbie war allerdings noch mit einkaufen beschäftigt und hat gesagt, dass es noch mindestens 15 Minuten dauern würde.

Ich füttere Loris
Kella und ich sind dann noch in das einzige Gehege gegangen, wo wir noch nicht waren, nämlich das, wo man Loris füttern kann. Ich habe uns beiden ein Futtertöpfchen gekauft und wir haben die Papageien gefüttert. Im Gegensatz zu denen in Münster kamen diese hier auch sofort angeflogen und haben was gegessen.

Cass, Noodle und Gaby wollten nicht mitkommen - keine Ahnung, warum. Sie haben sich lieber nochmal die Schlangen angesehen.

Ich vor dem Eingang zum Bird Park
Als wir dann aus dem Vogelpark raus waren, haben wir vor dem Eingang auf Debbie gewartet. Da die aber dann doch nicht in 15 Minuten da war, haben wir noch ein paar Fotos gemacht, während Cass in einer Tour versucht hat, Debbie anzurufen. Ich habe ihr zwar gesagt, dass die sicher unterwegs sei und uns garantiert nicht vergessen habe, aber das hat nicht geholfen.
Dori auf einem Flamingo

Turnen gegen Langeweile

Ich in Montecasino

Kella, Gaby, Cassidy und Noodle

Dori in Montecasino

Das Gästezimmer bei Michelle
Die drei Mädels sind dann noch zum Spielen bei Cass geblieben und anschließend hat mich Debbie zu Michelle gefahren. Ich werde die nächsten Tage hier verbringen, weil Janet immer noch keine Zeit hat, mich zurück zu bekommen. 

Bei Debbie zu bleiben wäre aber auch nicht so gut gewesen, weil Cass und ich ziemlich oft aneinandergeraten sind. Sie ist eben ziemlich verwöhnt und hat ständig versucht, mich herumzukommandieren oder hat beim Uno spielen einfach zwischendurch die Regeln zu ihren Gunsten geändert.

nochmal das Gästezimmer
Hier ist es ziemlich cool, weil Michelles Familie einfach wahnsinnig viel Geld hat. Ich trainiere ihre beiden Töchter Jenna und Sienna und daher wusste ich schon, wo sie wohnt und was ungefähr auf mich zukommt. Allerdings hatte ich nicht mit DEM Zimmer gerechnet.

Das Bad mit super Ausblick!
Neben einem riesigen Bett, einem Ventilator und einem Fernseher habe ich außerdem einen Ankleideraum und ein riesiges Bad mit Wanne und Dusche. Außerdem hat Michelle mir angeboten, ihre Pferde zu reiten wann immer ich will und das Haus hat einen riesigen Pool, einen Kinosaal, zwei Bars, einen Weinkeller und einen Fitnessraum!

Die beiden Mädchen sind auch echt süß. Ich habe mit ihnen ihre neuen Lego-Sachen gebaut.

Samstag, 18. Januar 2014

Tag 60 - ich weiß keinen Titel...

Hier ist in letzter Zeit nicht viel passiert, aber ich schreibe jetzt trotzdem mal was. Ich weiß - das sind die Besten: Die Leute, die eigentlich nichts zu erzählen haben, es aber trotzdem tun.

Was habe ich in letzter Zeit so gemacht? Nicht viel eigentlich. Ich hatte bisher nur 3 Unterrichtsstunden seit ich wieder da bin und ansonsten werde ich als Babysitter und Chauffeur für Cassidy eingesetzt. Das bedeutet, dass ich immerhin Auto fahren darf und ein bisschen auf eigene Faust rauskomme.
schöner orangener Vogel

Ich im Park
 Letzten Sonntag wollte ich mit Cass zu dem Mini-Antilopen-Reserve hier in der Nähe. Da hing ein Schild, dass es erst ab Januar wieder geöffnet sei, weil sie so viele Jungtiere hätten. Letzten Sonntag war schon Januar und es war leider immernoch geschlossen, also sind wir zu einem anderen Reserve in Lonehill gefahren. Das war allerdings total schlecht ausgeschildert und wir sind erstmal ziemlich herumgeirrt, bis wir den Eingang gefunden haben.

Vor dem Eingang war ein schöner Park, wo wir etwas rumgesessen haben. Wir haben dort einen wunderschönen orangenen Vogel
Auf der Brücke im Park
 gesehen. Die Vögel hier sind sowieso total schön. Auch die Hadedas (jetzt weiß ich, wie man die richtig schreibt und dass sie auf deutsch Ibis heißen), die ziemlichen Krach machen.

Im Park selbst gab es dann dummerweise keine Antilopen, sondern nur Pelztiere. Ich tippe auf sehr große Dassies. Dassies kannte ich bisher nur in Kaninchengröße. Diese hier waren etwas größer als ein fetter Cocker Spaniel.

Der Berg im Reservat
Ansonsten habe ich hier im Moment nicht so viel zu tun und gehe jeden Tag schwimmen und liege im Schatten am Pool. Es ist nämlich ziemlich heiß geworden und es gibt kaum noch Regen oder gar Gewitter zur Abkühlung. Nachts ist es mittlerweile so heiß, dass ich kaum noch schlafen kann.

Tier-Suchbild
Mittlerweile fahre ich hier relativ sicher Auto und kenne mich auch ganz gut aus, sodass ich (wie schon erwähnt) überall selbst hinfahren kann und Cassidy zum Reiten oder zu Freunden bringe. Neulich wäre ich fast an einer baulich getrennten Straße auf die rechte Spur gefahren, aber ich hab zum Glück noch rechtzeitig bemerkt, dass das irgendwie falsch ist und auf der Straße eine Vollbremsung hingelegt um mich richtig einzuordnen.

Ansonsten ist es hier alles recht chaotisch. Hier fahren diese "Taxis" rum, die eher wie Busse funktionieren, wo aber nur Schwarze mitfahren. Die sind saugefährlich, weil die immer von allen Seiten angeschossen kommen, wie es ihnen gerade passt und auch sonst überall fahren, wo sie gerade wollen.

Vogel
Bei dem Wetter im Moment bin ich übrigens nicht die einzige, die faul rumhängt. Cassidy geht ja nicht zur Schule, sondern wird von Debbie unterrichtet und die haben bisher noch nicht das neue Schuljahr angefangen, obwohl es ganz dringend mal Zeit würde. Und gestern waren wir bei Carol und Cass' Reitstunde ist ausgefallen, also haben wir mit Carols drei jüngeren Kindern und Bongani drei Stunden am Pool gechillt, bis ich los musste zu meiner eigenen Volti-Stunde. Dafür hat Bongani zwei seiner Kunden abgesagt mit der Ausrede, er hätte einen Platten.

Von ihm habe ich übrigens gelernt, dass auch Schwarze in der Sonne dunkler werden. Deshalb sitzt er auch bei jeder Unterrichtsstunde und am Pool im Schatten.


noch ein Tier-Suchbild

Ich im Pool















Jetzt will ich euch noch ein paar Sachen über Südafrika näherbringen:

Angestellte: Hier ist jeder total erstaunt, wenn ich erzähle, dass es in Deutschland eine Seltenheit ist, dass jemand einen Pool oder Hausangestellte (und wenn dann nicht mehr als EINE Putzkraft) hat. Debbie meint, sie könne so nicht leben. Ohne ihre Angestellte (die fünf Tage die Woche den ganzen Tag über hier ist) käme sie nicht zurecht - und sie arbeitet nicht, außer dass sie ihr Kind unterrichtet.

Pools: Für die Kinder ist es immer total unvorstellbar, dass jemand keinen Pool hat (Mama und Papa: Ich habe euch schon immer gesagt, dass wir ganz dringend einen Pool gebräucht hätten! Was fällt euch ein, eure Kinder ohne Pool aufwachsen zu lassen???) und dass man zum Schwimmen ins Schwimmbad fahren muss!!!

Technik: Hier hat auch jeder ein Smartphone und einen Tablet-PC und einen Laptop - und das trägt nicht dazu bei, meine Abneigung gegen Smartphones zu verringern. Ganz im Gegenteil. Hier ist es total üblich, dass jeder auf seinem Handy/Tablet herumtippt, wenn er mit Freunden unterwegs ist. Statt normaler Konversation zeigen sich hier alle Leute - und damit meine ich alle Altersgruppen unter 60 - ihre Fotos oder Youtube-Videos auf ihren Geräten! Das ist doch KRANK!!! Ich bin jedenfalls sehr dankbar, dass das in Deutschland noch nicht ganz so schlimm ist. Ich habe eh das Gefühl, dass die Leute in den englischsprachigen Ländern sehr medienorientiert sind. Hier hat auch jeder dieses teure Fernsehen mit über 300 Kanälen, von denen nur 5 benutzt werden. Was ganz cool ist, ist Box Office: Das ist eine Art Programm, das einem immer Filme zur Verfügung stellt und wenn man die guckt, bezahlt man eine geringe Summe dafür. Ein Film bleibt immer ca 1-2 Wochen "online" und sie werden eigentlich ständig ausgetauscht.

Lebensmittel: Der Trend hier geht total zu "functional food". Es gibt ganz viele Sachen mit Vitaminzusätzen und "xxx-free" - also ohne alles, was irgendwie böse sein könnte oder extra proteinhaltige Nahrung. Jeder Haushalt in dem ich bisher war hat "Herba life" Nahrungsergänzungsmittel irgendwo rumstehen - also irgendwelche Proteinshakes oder extra spezial tolle Frühstücksflocken. Das extremste sind die Nahrungsergänzungstabletten bei Janet. Zum Frühstück gibt es Protein Shake und Tabletten - ist das die Ernährung der Zukunft?
Und dann achten alle total auf die Haltbarkeitsdaten. Gestern wollte Cassidy eine neue Milch anbrechen, weil die alte genau gestern ablief. Meine Erklärung, dass die Milch nicht an dem Tag automatisch schlecht wird wollte sie nicht hören. Ich habe die Milch getrunken. Sie war noch gut.

Bottle Stores: Hier wird Alkohol nicht im Supermarkt verkauft, sondern nur in dafür lizenzierten Geschäften, also Bottle Stores und lizenzierten Bars. In Bars ohne Lizenz darf man sogar seinen eigenen Alkohol mitbringen. Der Verzehr von Alkohol ist ab 18 Jahren erlaubt (egal was) und auf der Straße nicht gerne gesehen, aber auch nicht verboten. Mit dem Fahren nehmen die es auch nicht so genau. Ich hab hier ernsthaft schon Leute erlebt, die mit Bier in der Hand Auto fahren. Auch wenn EIN Bier vielleicht nicht so schlimm ist - das täte in Deutschland doch niemand.

Sicherheit: Man gewöhnt sich daran, immer im verriegelten Auto mit hochgefahrenen Scheiben zu fahren und auch Gitter vor den Fenstern sind nicht ganz so schlimm, wie es sich anhört. Trotzdem vermisse ich es, rausgehen zu können, wann und wie ich es will. Das war an der Küste viel angenehmer.

Arbeitslosigkeit: Die ist hier enorm hoch und Arbeitgeber sind angehalten UNABHÄNGIG von der Qualifikation bei der Jobvergabe schwarze Frauen bevorzugt zu behandeln, schwarze Männer mit 2. Priorität, dann weiße Frauen und dann weiße Männer. Wenn man also jemanden einstellen will, der nicht bevorzugt ist, dann muss man nachweisen, dass niemand anderes dafür qualifiziert ist. Einen Deutschen einzustellen könnte man zum Beispiel begründen mit: Wir brauchten ganz ganz dringend jemanden, der Deutsch spricht und unsere Korrespondenz übernimmt (mir hat mal jemand erzählt, dass das so gehandhabt wird).

Arbeitsbeschaffung: Hier gibt es Jobs für alles!!! Wenn man in einen Security-Bereich einfährt, stehen dort Tag und Nacht Leute, die von Hand Schranken öffnen und schließen oder sogar nur danebenstehen und gucken, dass man die automatischen Schranken richtig bedient und keiner ungesehen rein oder raus sparziert. Dann wird hier der Müll nicht getrennt, weil das Leute übernehmen, die einen Job brauchen. An jedem Parkplatz stehen Leute, die einen in Parklücken und wieder heraus winken, die auf die Autos aufpassen, einem Regenschirme halten oder Einkaufswagen zurückbringen und dafür ein Trinkgeld bekommen (2-5 Rand - also fast nichts!). Beim Tanken steigt man nicht aus, sondern sagt dem Tankwart, wie viel man tanken möchte und ob man gleichzeitig auch die Scheiben geputzt haben möchte. Im Supermarkt arbeiten Leute, die einem das Obst wiegen, oder die Einkäufe in Tüten packen.
Und dann gibt es noch die Leute, die an der Straße was verkaufen. An jeder großen Kreuzung trifft man irgendwelche Leute, die zwischen den Autos stehen und einem irgendwas andrehen wollen. 

Umweltbewusstsein: Man bekommt überall und für alles Tüten. In den Lebensmittelmärkten muss man die mittlerweile immerhin bezahlen, aber überall sonst muss man sich gegen die Plastiktüten echt wehren - und das sind meistens nur so ganz dünne, die man nichtmal wiederverwenden kann. Die Weißen scheinen das einigermaßen zu handhaben, aber in an den Straßenrändern, wo die arme schwarze Bevölkerung entlanggeht, ist es teilweise echt enorm dreckig. Trotzdem gucken mich die Leute in den Läden immer sehr verdutzt an, wenn ich ohne Tüte gehe.

Wasser: In Jo'burg nicht ganz so extrem, aber in fast allen Hostels wurde man dazu angehalten, nicht länger als 5 Minuten zu duschen, um Wasser zu sparen. Das extremste, was ich bisher erlebt habe war, dass man das kalte Wasser, was man vorm Duschen laufen lässt, in einem Eimer sammeln und es zum Spülen der Toilette verwenden sollte. Gespült wird übrigens meistens nur dann, wenn es wirklich notwendig ist - und wann das notwendig ist entscheidet jeder selbst.

Verkehr: hier fährt man links - ich glaube, das hatte ich schon erwähnt. Abgesehen davon muss man ständig raten, wer gerade Vorfahrt hat. Es gibt im Prinzip rechts vor links-Straßen, aber nur dann, wenn gar nichts anderes an den Straßen steht. Dann gibt es natürlich Stop- und Vorfahrt gewähren, aber derjenige der Vorfahrt hat, hat kein Vorfahrtsschild. Man muss also wenn man kein Schild hat immer in die anderen Straßen reinschauen, um zu sehen, ob der andere einem Vorfahrt gewähren muss.
Dann gibt es noch die Stopstraßen, bei denen an jeder Straße einer Kreuzung ein Stopschild steht. In diesem Fall muss jeder anhalten und wer zuerst angehalten hat, darf auch zuerst wieder fahren. 

Vokabular: Die Südafrikaner haben manchmal etwas gewöhnungsbedürftige Ausdrücke:
SA, deutsch
Taxi  = Minibus (was wir ein Taxi nennen würden, wäre hier "cab" - ein anderer englischer Begriff für taxi)
robot  = Ampel
costume  = Sammelbegriff für Badebekleidung
lekker = alles was irgendwie gut ist, also nicht nur in Bezug auf Essen zu gebrauchen